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20 Jahre im Dienst des Friedens


swisspeace versucht sein Konflikt-Frühwarnsystem neu zu positionieren

Die Schweizerische Friedensstiftung swisspeace international hat sich mit Konfliktforschung und Projekten zur Konfliktprävention einen Namen gemacht. Dieses Jahr wird begeht sie ihr 20-jähriges Bestehen.

„Konflikte haben immer eine Vielzahl von Ursachen“, sagt swisspeace-Geschäftsleiter Heinz Krummenacher. „Das wird in der politischen Debatte oft vergessen.“ Zum Beispiel beim Bürgerkrieg im westsudanesischen Darfur: „Es ist falsch, zu behaupten, der Darfur-Konflikt sei eine direkte Folge des Klimawandels“, erläutert Krummenacher. Genauso falsch sei es jedoch, ihn allein als ethnischen Konflikt, als Resultat einer menschenverachtenden Regierungspolitik oder als Folge globaler Wirtschaftsinteressen zu sehen. Wie in vielen anderen weniger beachteten Konflikten hätten auch in Darfur eine Reihe von politischen, klimatischen, wirtschaftlichen und historischen Gegebenheiten zur Eskalation geführt.

Seit zwanzig Jahren ist es Aufgabe der Schweizerischen Friedensstiftung, diese Zusammenhänge zu erforschen und die Resultate Entscheidungsträgern wie auch entwicklungs- und friedenspolitischen Akteuren zugänglich zu machen. Mit Forschungen zu den Themen „Ressourcen und Konflikte“, „Business and Peace“, „Menschliche Sicherheit“ und „Gender“ liefert swisspeace in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Forschungsschwerpunkt Nord-Süd der Universität Bern die Grundlagen für eine differenzierte, umfassende Friedenspolitik.

Im Laufe der Jahre kamen neue Themen hinzu. Insbesondere der Bereich Unternehmen und Frieden befindet sich im Aufbau. Im vergangenen Jahr veröffentlichte swisspeace eine Studie, die anhand eines Beispiels aus Bolivien zeigt, wie gerechter Handel einerseits zum sozialen Ausgleich beitragen, andererseits aber auch zu Spannungen zwischen Fairtrade- Kooperativen und herkömmlichen Produzenten führen kann. Eine Untersuchung zu den Wechselwirkungen zwischen Tourismus und Konflikten wird derzeit erarbeitet.

Swisspeace betreibt auch das Kompetenzzentrum für Friedensförderung KOFF, das staatliche und nichtstaatliche Akteure vernetzt und zu einer kohärenten Politik beitragen soll, sowie die Frühanalyse von Spannungen und Tatsachenermittlung (FAST). Entwickelt wurde das Frühwarnsystem auf Anregung der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) nach dem Genozid in Ruanda 1984. Entwicklungsfachleute waren damals erschüttert, dass vor ihren Augen ein Völkermord vorbereitet worden war, ohne dass sie die Brisanz der Situation erkannt hatten. FAST, das innenund außenpolitische Gewalttendenzen systematisch erfasst, soll helfen, solche Entwicklungen künftig früher zu erkennen und zu bekämpfen.

Inzwischen sind 25 Länder in Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika Teil des FAST-Programmes. Für jedes erstellt swisspeace alle zwei Monate einen Bericht über die Entwicklung gesellschaftlicher Spannungen. Das Institut stützt sich dabei auf ein Netzwerk lokaler Mitarbeiter, die Stimmungen und Ereignisse vor Ort erfassen. „Unsere Stärke ist, dass wir direkt mit lokalen Fachleuten zusammenarbeiten“, betont Krummenacher. Innen- und Außensicht eines Landes seien stets unterschiedlich. So könne beispielsweise die Eröffnung einer Schule in Tschetschenien durch eine russische Regierungsdelegation lokal heftige Reaktionen auslösen, während das Ereignis aus der Distanz kaum wahrgenommen werde.

FAST gilt als eines der global führenden politischen Frühwarnsysteme. Seit 2003 traten Österreich, Schweden, Kanada und die USA der zuvor rein Schweizerischen Trägerschaft bei. Doch politische Kurswechsel haben nun dazu geführt, dass sämtliche Träger unabhängig voneinander ihre Beiträge reduziert oder ganz gestrichen haben. Swisspeace ist nun gezwungen, für sein gut funktionierendes, über Jahre aufgebautes Programm neue Geldgeber zu suchen. Noch ist offen, ob und wie FAST gerettet werden kann.


Katharina Schindler, InfoSüd

welt-sichten 1-2008