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Kirchen entdecken Verantwortung


Einheitliche Kriterien für Geldanlagen fehlen

von Bettina Stang 

„Das Thema des ethischen Investments hat in Deutschland noch nicht den Stellenwert, der aus christlicher Sicht wünschenswert wäre“, stellt das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) in einem Leitfaden dazu fest. Gerade die Kirche mit ihren Geldanlagen könne einen entscheidenden Beitrag zur Beförderung dieser Diskussion leisten.

Die Westfälische Landeskirche hat ebenfalls eine Handreichung veröffentlicht, der kirchliche und private Anleger beim Kauf von Wertpapieren zur Berücksichtigung ethischer Kriterien ermutigt. Beide Initiativen zeigen, dass ethisches Investment in Landeskirchen, Bistümern und Kirchengemeinden immer mehr Berücksichtigung findet. Dennoch bleibt das Thema heikel, wie Anne Schneepflug vom Südwind-Institut bestätigt. Sie kritisiert die „Intransparenz“ der kirchlichen Regelungen. Konkrete Zahlen über den Anteil des Geldes, der in den Kirchen nach ethischen Kriterien angelegt ist, seien sind nicht zu bekommen.

Das sei auch gar nicht möglich, sagt Thomas Begrich, Leiter der Finanzabteilung im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).Denn wo verlaufe die Grenzlinie zwischen ethisch verantwortlichen und weniger verantwortlichen Geldanlagen? Grundsätzlich, so Begrich, orientierten sich die Anlagerichtlinien aller Landeskirchen daran, dass „Geldanlagen nicht im Widerspruch zu den christlichen Wertvorstellungen“ vorgenommen werden dürfen. Das gehe über einen Minimalkonsens wie den Ausschluss von Anlagen im Bereich der Rüstungsindustrie, Suchtmittelhersteller oder Pornographieanbieter hinaus.

Konkretisierungen werden aber nicht nur von den einzelnen Landeskirchen und Bistümern unterschiedlich vorgenommen,sondern auch von Fonds zu Fonds und von Jahr zu Jahr anders gewichtet. Deshalb, bedauert der oberste Finanzverwalter der EKD, konnten noch keine gemeinsamen Kriterien entwickelt werden.

Die Kirchen halten zwar auch Wertpapiere von Großkonzernen wie Siemens oder Adidas, entdecken aber zunehmend ihre Verantwortung: Immer mehr kirchliche Anleger bringen sich bei Aktionärsversammlungen ein, um mehr soziales und ökologisches Verhalten einzufordern. Dazu werden sie unter anderem vom Zentralrat der Deutschen Katholiken ausdrücklich ermutigt. So schlägt der ZdK in seinem Leitfaden eine Bündelung der kirchlichen Stimmrechte vor, damit die Kirche „ihr finanzielles und moralisches Gewicht“ stärker einbringen könne. Auch die Finanzreferenten der Landeskirchen haben die Möglichkeit solcher gemeinsamer Interventionen ins Auge gefasst: Sie haben vereinbart, sich künftig stärker über ihre Aktivitäten im Bereich ethisches Investment auszutauschen.


Bettina Stang

ist freie Journalistin in Hannover

welt-sichten 1-2008