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Modell-Lehrpläne für Journalistenausbildung der UNESCO

Die Initiative soll die Pressefreiheit in Entwicklungsländern fördern

Von Bärbel Röben 

Als „wertvolle Ressource für die Entwicklung lokaler Lehrpläne" bezeichnet der südafrikanische Journalistikprofessor Guy Berger die Modell-Lehrpläne der UNESCO für die Journalistenausbildung in Entwicklungsländern. Die Reaktionen auf diese Initiative zur Förderung von Demokratie und Pressefreiheit sind bislang überwiegend positiv.

Die Modell-Seminare vermitteln neben dem journalistischen Handwerk Kenntnisse in Politik,Medienrecht und Ethik. Sie sehen zudem ein Praktikum vor. Erarbeitet wurden sie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Kanada, Indien, Großbritannien, Pakistan, Brasilien und den USA. In dem knapp 150-seitigen UNESCO-Dokument werden Kurse für die Journalistenausbildung auf Bachelor- und Masterniveau sowie mit Diplomabschluss beschrieben. Sie können an die Situation im jeweiligen Land angepasst werden. Ziel ist es, zugleich zum kritischen Umgang mit der herrschenden journalistischen Praxis zu ermutigen.

Die UNESCO hatte 2005 eine internationale Expertenrunde einberufen, um Leitlinien für eine Journalistenausbildung zu entwickeln, die Meinungsfreiheit und Demokratisierung in Entwicklungs- und Schwellenländern fördern soll. Zahlreiche Mitgliedsstaaten hatten um Unterstützung für eine bessere Journalistenausbildung gebeten.

Azubuike Ishwiene, Direktor des Verlags, in dem die nigerianische Tageszeitung „Punch" erscheint, äußert sich unzufrieden über den heimischen Mediennachwuchs: „Studierende schreiben sich für Journalismus ein, weil sie die mittlere Reife in Mathe nicht schafften." Er setzt große Hoffnungen in die Einführung des von der UNESCO entwickelten Modell- Curriculums. Eine besondere Aufgabe sei die Vermittlung von Recherchemethoden, da es in Nigeria kein Informationsfreiheitsgesetz gibt, so Ishwiene. Das UNESCO-Curriculum verspreche außerdem, die Studierenden mit modernen journalistischen Techniken vertraut zu machen, „ohne die Kunst intelligenten Geschichtenerzählens zu opfern".

Ishwiene nahm im November 2007 an einem Workshop im nigerianischen Lagos teil, bei dem der nationale Presserat mit 120 Leiterinnen und Leitern von Kommunikationswissenschaftlichen Instituten und Medientrainingseinrichtungen über die Umsetzung des UNESCO-Curriculums in Nigeria diskutierte. Zentral im modifizierten Ausbildungskonzept sei die Vermittlung der Grundziele nigerianischer Politik, der Geschichte des Landes und seiner Massenmedien; darin waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops einig. Die Praxiskurse sollten sich auf neue Technologien wie Internet,Mobiltelefon und Bürgerfunk konzentrieren.

Zur Finanzierung von Lehrpersonal und technischer Ausstattung müsse die Industrie mit einem Ausbildungsfonds beitragen.Das Studium der Massenkommunikation solle nicht nur für Rundfunk und Printmedien qualifizieren,sondern auch für Buchverlage, Public Relations und Werbung,erklärten die nigerianischen Medienschaffenden und Kommunikationswissenschaftler zum Abschluss des Workshops.Wie unterschiedlich das UNESCO-Dokument interpretiert wird, zeigt eine Äußerung des Chefredakteurs der indischen Zeitung „The Hindu", N. Ram,der die Curriculum-Entwickler lobte,weil sie erkannten, dass „PR-Lehrinhalte nicht in eine Journalismusschule gehören".

Für Skepsis sorgen auch die „universellen Prinzipien" zu Pressefreiheit und freiem Informationsfluss. In einem Bericht über einen Diplomlehrgang für tamilische Journalistinnen und Journalisten in Sri Lanka vom August 2007 heißt es, regionaler Journalismus müsse in traditionellen Texten wurzeln, der Modell-Lehrplan müsse angeglichen, aber nicht übernommen werden. Die Sorge, dass durch die Modell- Lehrpläne eine kulturelle Gleichmacherei betrieben werde, beschwichtigt Abdul Waheed Khan, bei der UNESCO zuständig für Kommunikation und Information:„ Die Achtung kultureller Vielfalt ist einer unserer größten Aktivposten."


Bärbel Röben

welt-sichten 1-2008