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„Navigator“ für verantwortliche Unternehmensführung

Bertelsmann-Stiftung und GTZ untersuchen 13 Länder weltweit

Die Bertelsmann-Stiftung und die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) haben einen „Navigator“ entwickelt, mit dem ein optimales Zusammenspiel von Regierungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft beim Thema Unternehmensverantwortung angesteuert werden kann.

Die vom Entwicklungsministerium unterstützte Studie „The CSR Navigator – Public Policies in Africa, the Americas, Asia and Europe“ untersucht den Stand von verantwortlicher Unternehmensführung (Corporate Social Responsibility, CSR) in 13 Ländern. „Wie kann Regierungshandeln verantwortungsvolles Unternehmerhandeln fördern?“, formuliert Vera Scholz, die bei der GTZ für das Thema soziale und ökologische Standards zuständig ist, die Kernfrage. Die Studie geht davon aus, dass CSR wesentlich davon abhängt, inwieweit es der nationalen Politik gelingt, Wirtschaft und Gesellschaft zu einem eigenständigen Austausch und zu aktiver Zusammenarbeit zu bringen.

Die Instrumente dafür reichen vom Arbeits- und Umweltrecht über freiwillige oder verbindliche Richtlinien zur Unternehmensführung bis hin zur Förderung von Formen gesellschaftlicher Selbstorganisation und aktiver Einwirkung auf politische, wirtschaftliche, ökologische und soziale Entscheidungen.

Großbritannien wird als besonders gelungenes Beispiel für eine fortschrittliche CSR-Strategie genannt. Das Land gilt als Vorreiter bei der politischen Förderung von Kooperationen zwischen Unternehmen und Gesellschaft. Deutschland steht schlechter da: Es sei zu „verregelt“, urteilen die Autorinnen der Studie. Für ein gedeihliches Zusammenspiel der Kräfte bestehe zu wenig Raum. Ländern wie Südafrika oder Vietnam wird eine „aktive CSR-Politik“ bescheinigt, wenn auch auf niedrigerem Entwicklungsniveau und im Fall Vietnams mit dem Ziel, die eigene Wirtschaft fit zu machen für die internationale Konkurrenz. Das einzige untersuchte klassische Entwicklungsland, Mosambik, wird als Anfänger in Sachen Corporate Social Responsibility eingestuft.

Vera Scholz möchte den entwicklungspolitischen Nutzen des neuen „Navigators“ nicht überbewerten. Der „kulturelle Kontext“ eines jeden Landes dürfe nicht aus den Augen verloren werden: Das „philanthropisch“ geprägte Ägypten oder die am Harmonie- Ideal orientierte Gesellschaft Chinas böten andere Voraussetzungen als Großbritannien, das an das offene Austragen von Konflikten gewöhnt ist, oder der Wohlfahrtsstaat Schweden. CSR sei jedoch für die GTZ bereits „ein fester Bestandteil der werteorientierten Beratungsarbeit“ in Entwicklungsländern, hieß es bei der Vorstellung der Untersuchung in Berlin.

Globalisierungskritiker – von Gewerkschaften über Attac bis zur Rosa-Luxemburg-Stiftung – trauen hingegen der Gemeinwohl- Orientierung der Bertelsmann- Stiftung nicht. Sie wolle vor allem deregulieren und fungiere als Denkfabrik, die mehr Einfluss habe als gut sei.


Johannes Schradi

welt-sichten 1-2008