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Ratgeber informiert über nachhaltige Geldanlagen


Schweizer Finanzexperte dämpft überhöhte Erwartungen an „saubere Renditen“

Von Viera Malach 

Nachhaltige Geldanlagen stoßen zunehmend auf Nachfrage. Andreas Missbach, Finanzexperte bei der „Erklärung von Bern“ (EvB), untersucht in seinem Ratgeber „Saubere Renditen“ 40 Produkte von Schweizer Anbietern.

Die Broschüre, die die EvB gemeinsam mit dem Schweizer Konsumentenschutz (SKS) herausgegeben hat, soll eine Orientierungshilfe auf dem unübersichtlichen Markt der Geldanlagen liefern. „Die Anbieter geizen mit Information. Sie geben PRProspekte heraus, in denen Produkte als nachhaltig, ethisch oder ökologisch angepriesen werden.

Doch um die Einzelheiten müssen sich die Kunden selbst kümmern“, so Missbachs Erfahrung. Er hat in seiner Übersicht festgehalten, woraus sich die so genannten nachhaltigen Fonds zusammensetzen, welche Titel sie führen, ob ein Beirat existiert und ob es eine Stimmrechtsausübung gibt.

Wichtig für die Auswahl seien Ausschluss-Kriterien wie Rüstung, Atomenergie und Menschenrechtsverletzungen, betont Missbach. Für die Wirkung eines Aktienfonds mache es auch einen Unterschied, ob und wie er die Stimmrechte der Aktionäre wahrnimmt und ob Nachhaltigkeitsspezialisten beteiligt sind. Um die Glaubwürdigkeit und die Qualität ihrer Auswahl zu erhöhen, hätten einige Fonds zusätzlich einen unabhängigen Beirat.

Zu hohe Erwartungen an nachhaltige Geldanlagen dämpft der Experte: „Die ideale Anlagemöglichkeit, die höchsten Ansprüchen nach sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit genügt und dabei noch eine überdurchschnittliche Rendite abwirft, gibt es nicht.“ Die meisten Angebote seien nicht in einem umfassenden Sinne „anders“: über die Börsen sind sie Teil der globalisierten Finanzmärkte. Deren Dynamik habe einen wesentlichen Anteil an der ungleichen Vermögensverteilung zwischen Arm und Reich.

Obwohl nachhaltige Anlagen sehr viel schneller wachsen als der gesamte Fondsmarkt in der Schweiz, „fristen sie mit knapp drei Prozent immer noch ein Nischendasein“, sagt Missbach. Wende ein Fonds sehr strikte Auswahlkriterien an, finde er nicht genug Firmen, in die investiert werden kann. 90 Prozent der Unternehmen, die auf der Liste der fünfhundert größten Unternehmen stehen, würden auch in nachhaltigen Fonds geführt.„Wer Großkonzernen grundsätzlich misstraut oder bezweifelt, dass diese Firmen zu einer fairen und langfristig zukunftsfähigen Weltwirtschaft beitragen, dürfte auch mit nachhaltigen Aktienfonds Mühe haben“, sagt Missbach.

Trotzdem raten EvB und SKS, Geld so verantwortungsbewusst wie möglich anzulegen. „Auch der größte Kompromiss ist immer noch besser als eine konventionelle Geldanlage, die einzig auf optimale Rendite achtet.“ Selbst die Alternative Bank Schweiz sei nicht ohne Kompromisse ausgekommen. Mehr als ein Drittel ihres Gründungskapitals stamme aus Erträgen von konventionellen Anlagen.

Auch die ökumenische Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit kommt darum nicht herum, ebenso wenig der „responsAbility Global Microfinance Fund“, die beide weltweit in Mikrofinanz-Institutionen investieren. „Was ermöglicht wird, ist dennoch beeindruckend“, so Missbach.

Bewertungen und Empfehlungen, wo Geld nachhaltig angelegt werden kann, gibt der Finanzexperte nicht. Vielmehr will die verständlich geschriebene Orientierungshilfe dazu anregen, bei der eigenen Bank oder Anlage nachzufragen, wo das Kapital angelegt wird. Auch für Menschen ohne Vermögen liefert die Publikation Hintergrundwissen, um die Funktionsweise der verschiedenen nachhaltigen Anlageprodukte zu verstehen.„Wenn man sich eine andere Welt wünscht, können diese Produkte politisches Engagement, Freiwilligenarbeit und Spenden ergänzen – aber niemals ersetzen“, betont Missbach.

Informationen im Internet: www.evb.ch/geld


Viera Malach, InfoSüd

welt-sichten 1-2008