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Schutz vor dem Kahlschlag

Die Weltbank korrigiert ihre Aufbaupläne im Kongo

Von Bettina Stang

Die Weltbank hat Fehler bei ihrem millionenschweren Aufbauprogramm für die Demokratische Republik Kongo eingeräumt. Maßnahmen zum Schutz des Regenwaldes, der 60 Prozent der Landesfläche bedeckt, seien in den ersten Jahren nach dem Bürgerkrieg vernachlässigt worden. Mit neuen Programmen will die Bank jetzt vor allem den illegalen Holzeinschlag unterbinden.

Das Inspektionsgremium der Weltbank hatte in seinem Bericht vom September schwere Vorwürfe erhoben: Die Weltbank-Mitarbeiter hätten bei der Ausarbeitung des Kreditprogramms für den Forstsektor im Kongo vorrangig die Steuergewinne aus dem Holzeinschlag im Blick gehabt. Vernachlässigt hätten sie hingegen, dass dem Waldgebiet im Kongobecken, der zweitgrößten Regenwaldfläche der Erde, besonderer Schutz zukommen müsse.

Darüber hinaus habe die Bank über die Tatsache hinweggesehen, dass die Existenz von rund zwei Dritteln der Bevölkerung Kongos direkt vom Wald abhängt:40 Millionen Menschen dient er als Quelle für Nahrung. Sie nutzen ihn zur Herstellung von Medizin sowie zur Gewinnung von Bau- und Brennmaterial – und das,ohne ihn nachhaltig zu schädigen. Die Erschließung von Millionen Hektar Regenwald durch private Holzfirmen bedroht diese Wirtschaftsweise.

In seiner Antwort auf den Inspektoren-Bericht wies das Weltbank-Management keinen dieser Vorwürfe direkt zurück.Dennoch verteidigen die Mitarbeiter ihr Vorgehen: Angesichts desolater Verwaltungsstrukturen hätten sie zunächst die Basis für eine moderne Forstverwaltung schaffen müssen. Es sei ein neues Forstgesetz erarbeitet worden, das die bisherigen, noch aus der Kolonialzeit stammenden Vorschriften, ersetzt. Darüber hinaus habe die Regierung auf Initiative der Weltbank zahlreiche Konzessionen für den Holzeinschlag zurückgenommen, die während des Bürgerkriegs auf undurchsichtige Art und Weise vergeben worden waren. Fehler wurden laut Management-Bericht vor allem beim Bau von Straßen gemacht. In den ersten Jahren nach Kriegsende habe der Schutz des Waldes eine untergeordnete Rolle gespielt, räumen die Weltbank-Mitarbeiter ein.

Das soll sich jetzt ändern: Der Umweltschutz soll beim Aufbau des Kongo ein höheres Gewicht erhalten. Das Weltbank-Management schlägt zu diesem Zweck vor, die bisher äußerst dürftig ausgestattete Forstverwaltung auszubauen. Ein bereits seit längerem vorgesehenes Pilotprojekt zur Flächennutzungsplanung im Osten des Kongo mit Beteiligung der lokalen Bevölkerung soll nun umgesetzt werden. Außerdem werden unabhängige Organisationen beauftragt, illegalen Holzeinschlag zu melden. Die Programme sollen mit Hilfe eines von mehreren Gebern gespeisten Fonds unter Beteiligung der Weltbank finanziert werden.

Umweltschützer bezweifeln, dass dieser „Aktionsplan“ der dringlichen Lage gerecht wird.„Programme zur Flächennutzungsplanung hätten von Anfang an aufgelegt werden müssen.Stattdessen will man sie zu einem Zeitpunkt nachreichen,da die meisten Konzessionen schon vergeben sind“, kritisiert Knud Vöcking von der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald. In Gebieten, die bereits Holzhandelsfirmen versprochen sind,werde es voraussichtlich schwierig, nachträglich Flächen zur kommunalen Nutzung einzurichten oder gar neue Naturschutzgebiete zu schaffen. Der Forstexperte Herbert Christ von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit setzt dagegen Hoffnung in den Aktionsplan.„ Seit einigen Jahren bereits findet ein hochrangiger Politikdialog – etwa im Rahmen der Kongobecken- Waldpartnerschaft – statt. Jetzt ist es wichtig, dass den Worten auch Taten folgen“, sagt er.


Bettina Stang
ist freie Journalistin in Hannover.

welt-sichten 1-2008