Seite drucken        Seite schlie?en 

 

welt-sichten

welt-sichten bestellen

Suche

welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

Login

Login

Newsletter



Newsletter absenden

welt-sichten


Vor dem Essen Hände waschen

Das „Internationale Jahr der sanitären Grundversorgung“

von Gesine Wolfinger 

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2008 zum „Internationalen Jahr der sanitären Grundversorgung“ ausgerufen. Was sperrig klingt, ist dringend notwendig. Noch immer haben 2,6 Milliarden Menschen keinen Zugang zu den einfachsten Sanitäranlagen.

Die Völkergemeinschaft hatte sich im Rahmen der Millenniumsziele verpflichtet, die Anzahl derjenigen, die nicht über Latrinen oder Waschmöglichkeiten verfügen, bis 2015 zu halbieren. Wenn die Bemühungen nicht verstärkt werden, ist das nicht zu schaffen. Beim derzeitigen Tempo würde Afrika das Ziel erst 2076 erreichen. 42.000 Menschen sterben weltweit wöchentlich an Krankheiten, die durch schmutziges Wasser oder das Fehlen von sanitären Einrichtungen bedingt sind. Diese Situation sei „nicht hinnehmbar“, finden die Vereinten Nationen und haben das Thema für 2008 ganz oben auf die internationale Tagesordnung gesetzt. Geplant sind eine Reihe großer regionaler Konferenzen und die Förderung öffentlich-privater Partnerschaften für die sanitäre Versorgung in Entwicklungsländern.

Das ist zu begrüßen. Denn dass sanitäre Grundversorgung für die Erreichung der meisten Millenniumsziele – auch etwa die Stärkung der Rolle der Frauen – eine wichtige Voraussetzung darstellt, ist weithin unbestritten. Trotzdem leiden Projekte im Sanitärsektor häufig unter großem Geldmangel. Denn sie sind weder für private Spender noch für das soziale Engagement von Firmen sonderlich attraktiv. Welche prominente Schauspielerin oder welcher bekannte Sänger lässt sich schon gerne vor einer Latrinen-Anlage ablichten – selbst wenn sie ein Schild tragen sollte „Gespendet von“? Bei aller Notwendigkeit, mehr Latrinen und Waschplätze zu errichten, darf jedoch nicht vergessen werden: Die Menschen, für die diese Einrichtungen gebaut wurden, müssen sie auch benutzen. In manchen Gegenden der Welt ist das Aufsuchen einer Toilette zur Verrichtung der Notdurft unüblich, unbekannt oder verstößt sogar gegen die Tradition. Die Menschen müssen erst lernen, warum der Gang zur Latrine ihrer Gesundheit und der ihrer Nachbarn zuträglich ist. Auch Schulungen in den Grundlagen der Hygiene sind notwendig: vor dem Essen und nach der Toilettenbenutzung Hände waschen. Auch in solche Programme muss Zeit und Geld investiert werden. Sonst bleiben Latrinen und Waschplätze leer.

(gwo)

welt-sichten 1-2008