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Wie ein drittklassiger Thriller

Bruno Schirra
Iran. Sprengstoff für Europa
Econ Verlag, Berlin 2006,
332 Seiten, 18,00 Euro


Bruno Schirra erlangte Bekanntheit, als im September 2005 sein Privathaus und die Redaktionsräume der Zeitschrift „Cicero“ von der Polizei durchsucht wurden. Der freie Journalist hatte in einem Porträt des mittlerweile im Irak getöteten Terroristen Al- Zarqawi aus vertraulichen Akten des Bundeskriminalamtes zitiert und damit den damaligen Innenminister Schily provoziert. Schirra nennt sich investigativer Journalist und tut entsprechend wichtig – auch in diesem Buch, in dem er das iranische Mullah- Regime an den Pranger stellt. Der Reporter stilisiert sich als Seymour Hersh der Gegenseite: Während der amerikanische Starjournalist geheime Akten der US-Administration veröffentlicht, deckt Schirra die Machenschaften des Iran auf.

Dagegen ist an sich wenig einzuwenden. Der Iran ist ein Problem und Schirra nennt die Gründe beim Namen: Das Regime basiert auf Terror und Korruption. Sein Präsident Ahmadinejad hat wie einst Khomeini die Vision, die iranische Revolution zu exportieren. Die politische Kultur des Landes ist durchdrungen vom antisemitischen Traum der Vernichtung Israels. Das Regime verfolgt eine gezielte Strategie, das Nachbarland Irak mit Terror zu destabilisieren. Und der Iran betreibt ein Atomprogramm, von dem nach wie vor nicht klar ist, ob es nur zivilen oder auch militärischen Zwecken dient. Schirra gehört übrigens – auch das ist lobend zu erwähnen – nicht zu denjenigen, die vorgeben zu wissen, wie man dieses Problem lösen könnte. Er hält nichts von „kritischen“ Dialogen, mobilisiert aber auch nicht für kriegerische Maßnahmen.

Was an seinem Buch – Berichte aus seinen Reisen der vergangenen 25 Jahre – irritiert, ist der effekthascherische Jargon, der Spannung erzeugen und Authentizität vermitteln soll.Wenn Schirra eine Begegnung erzählt, hat er immer alles gleichzeitig im Blick – die Worte seines Gegenübers, dessen Mimik und Hintergedanken und die Geschichte, die er selbst erzählen will. Bericht und Interpretation verschmelzen miteinander, bis sie nicht mehr unterscheidbar sind. Die Lektüre eines solchen Buches erweckt zwangsläufig Misstrauen. Etwa wenn Schirra einer Rede Ahmadinejads an der Teheraner Universität lauscht: Die fehlerhafte Übersetzung einiger Begriffe deutet nicht gerade darauf hin, dass Schirra so viel persisch kann,um neben der Rede gleichzeitig die Stimmung unter den fanatischen Studenten sowie des Präsidenten Empfindungen einfangen zu können.

Oft ist dieser Stil zudem literarisch unerträglich. Kostprobe:„Dort sitzt er nun und schaut sich seinen Schatten an. Der ist ganz nahe an ihn herangerückt, sitzt jetzt nur noch fünfzig Zentimeter von Shirzad entfernt, beugt sich vor, immer näher, während er unablässig eine Pistazie nach der anderen knackt und mit spitzen Fingern in seinen Mund schaufelt. Der Schatten von Ahmed Shirzad sieht tatsächlich auf verblüffende Art und Weise so aus, als sei er einem drittklassigen Geheimdienstthriller entsprungen.“ Solche Fantasien des Schattenmannes von „Cicero“ erinnern ihrerseits an einen drittklassigen Geheimdienstthriller.


Jörg Später

welt-sichten 1-2008