Bücher zum Thema
E. Benjamin Skinner
Menschenhandel. Sklaverei im 21. Jahrhundert
Gustav LübbeVerlag, Bergisch Gladbach 2008,
412 Seiten, 19,95 Euro
Fünf Jahre ist Benjamin Skinner für dieses Buch um den Globus gereist. Obwohl die Sklaverei längst abgeschafft ist, trifft der US-amerikanische Journalist und Autor auf einen regen Handel mit Kindern, Frauen und Männern. Er hat zwölf Länder besucht und Gespräche mit Menschen geführt, die als Hausangestellte, Prostituierte oder in Schuldknechtschaft ausgebeutet werden. Skinner beschreibt ihre Schicksale oder lässt sie für sich selbst sprechen; er stellt sie in Zusammenhang mit der Geschichte der Sklaverei des Landes, in dem sie leben. Auch Täter – Menschenhändler und Schleuser – kommen zu Wort. Skinner beleuchtet die wirtschaftlichen Ursachen für den Menschenhandel und zeigt, allerdings eher am Rande, Wege auf, ihn zu unterbinden. Zwischen den einzelnen Episoden aus Haiti, dem Südsudan, Rumänien und Indien setzt er sich mit der Ideologie und den Bemühungen von Sklavenbefreiern auseinander, allen voran John Miller, der mehrere Jahre die Abteilung für den Kampf gegen den weltweiten Menschenhandel im US-Außenministerium geleitet hat. Skinners Buch liest sich streckenweise wie ein Krimi, wiederholt spricht er die Leserinnen und Leser direkt an. Das wirkt zuweilen etwas angestrengt, denn schon alleine mit seinen mutigen Recherchen ist ihm ein beeindruckendes und aufrüttelndes Buch gelungen.
(gwo)
David Batstone
Sklavenhandel heute. Die dunkelste Seite der Globalisierung
Redline Wirtschaft, München 2008,
325 Seiten, 24,90 Euro
Für die frühere US-Außenministerin Condoleeza Rice ist der Kampf gegen den Menschenhandel „eine der großen moralischen Herausforderungen“ der Gegenwart. Der Ethik-Professor und Journalist David Batstone macht ihn zu seinem ganz persönlichen Anliegen. Sein Buch solle ein „Handbuch für Abolitionisten unserer Tage“ sein, also für all jene, die sich weltweit aus unterschiedlichen Motiven für die Abschaffung der Sklaverei einsetzen, schreibt er in der Einführung. Motivieren will er seine Leserinnen und Leser mit den Schicksalen von Kindern, die in Kambodscha und Thailand als Sexsklaven ausgebeutet oder in Uganda als Soldaten missbraucht werden. Seine lebensnahen und persönlichen Schilderungen verknüpft er jeweils mit Berichten von Menschen, denen es mit Mut, und Hartnäckigkeit gelungen ist, diese Mädchen und Jungen zu befreien und ihnen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Batstone macht klar, dass Menschenhandel und Sklaverei nicht nur in den Entwicklungsländern stattfinden, sondern direkt vor unserer Haustür – etwa in seinem indischen Lieblingsrestaurant. Der Autor weitet den Blick für globale Zusammenhänge und zeigt Unterstützungsmöglichkeiten für den Kampf gegen die Sklaverei auf; auch wenn klar ist, dass nicht alle Geschichten so gut enden wie in diesem Buch.
(gwo)
Henri Médard und Shane Doyle (Hg.)
Slavery in the Great Lakes Region of East Africa
James Currey Publishers, London 2007,
273 Seiten, 19,90 Euro
Nicht nur europäische Kolonialherrscher beuteten die Region der Großen Seen in Ostafrika aus und zerstörten oder veränderten viele Gesellschaften. Auch Araber und Afrikaner betrieben den Menschenhandel in der Seen-Region stärker und früher als bisher angenommen, schreibt Henri Médard. Die elf Autoren des Sammelbandes berichten über Formen von Sklaverei und Zwangsarbeit von 1700 bis 1940. Sie schreiben auf breiter Quellenbasis und kommen unter anderem zu dem Ergebnis, dass nur eine Minderheit der Unfreien auf Sklavenmärkten an der Küste landete. Die meisten wurden im Landesinnern verkauft. Menschenhandel war dort alles andere als ungewöhnlich und viele Afrikaner profitierten davon. Auch die Kolonialherrscher rekrutierten Arbeiter mit Zwang für die Landwirtschaft, den Transport von Waren oder den Haushalt. Die brutalen Formen der Versklavung lehnten sie erst konsequenter ab, als die Vorgesetzten in Europa sie dazu drängten. Auf dem alten Kontinent hatte nämlich die Presse von den katastrophalen Zuständen in Ostafrika erfahren, und die Kritik an den Kolonien wuchs.
(fe)


