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Einsamer Kämpfer gegen die Korruption

Michela Wrong
It’s Our Turn to Eat.
The Story of a Kenyan Whistleblower
Fourth Estate, London 2009, 354 Seiten, 13,95 Euro


Dies ist die Geschichte eines Mannes, dessen rasante politische Karriere sich in einen Alptraum verwandelt. 2003 ist John Githongo erst 38 Jahre alt, hat aber bereits einen steilen Aufstieg hinter sich und bekommt im Amtssitz von Kenias Präsident Mwai Kibaki ein Büro. Sein Auftrag: Er soll die Korruption im Land bekämpfen. Zuvor hat er in Großbritannien studiert, als Journalist gearbeitet und dann Peter Eigen kennengelernt, den deutschen Gründer von Transparency International (TI), dem Netzwerk gegen Korrution. Githongo ist ehrgeizig und gilt als Workaholic. Mit smartem Auftreten beeindruckt er die Menschen, die ihn deshpalb fördern. So auch Peter Eigen, der Githongo 1999 zum Büroleiter von TI in Nairobi ernennt. In den kommenden Jahren erscheinen in Kenias Zeitungen immer wieder Berichte über Korruption im Land.

Auch Kibaki entgeht Githongos Arbeit nicht. Als er ihn zu Kenias staatlichem Korruptionsbekämpfer ernennt, ist das die Chance für Githongo. Doch er weiß nur zu gut, dass in Kenia der Fisch vom Kopf her stinkt. Geld aus der Staatskasse wird auf private Konten transferiert, lukrative Verwaltungsposten nach Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe vergeben. Dennoch nimmt Githongo den Auftrag an und bewirkt schon bald mehr, als es manchem Politiker lieb sein kann. Er heuert Informanten an, nimmt heimlich seine Gespräche mit Kabinettsmitgliedern auf und kommt so unter anderem Kenias bekanntestem Korruptionsfall auf die Spur, dem Anglo Leasing-Skandal. Seine Gegner spüren die Gefahr und Githongo erhält Morddrohungen. Nach nur zwei Jahren im Amt setzt er sich während einer Dienstreise nach London ab und versteckt sich bei einer alten Freundin und ehemaligen Afrika-Korrespondentin – bei der Autorin des Buches, Michela Wrong.   

Wrong kennt Kenia und ganz Ostafrika sehr gut. Den Fall Githongo hat sie ebenso umfassend wie spannend aufbereitet, im Ton mal lakonisch und dann wieder nüchtern, weil die Fakten allein fesseln. Sie beschreibt auch, wie alle bisherigen Präsidenten Kenias ihre eigene Volksgruppe bevorzugt haben. Das Ergebnis zeigt sich in den Aussagen der Kenianer, die Wrong zu Wort kommen lässt. Sie schildern, wie sie nach den offensichtlich manipulierten Wahlen im Dezember 2007 in Gefahr gerieten. Damals schlug lang aufgestauter Frust in Gewalt um; Angehörige verschiedener Ethnien gingen aufeinander los, Radiomoderatoren und Politiker schürten die Gewalt. Etwa 1300 Menschen kamen ums Leben. Die Spaltung Kenias entlang ethnischer Trennlinien hat sich seitdem noch vertieft, sagen Wrongs Gesprächspartner.

Ändern kann sich das wohl nur, wenn die politische Klasse endlich aufhört, der eigenen Volksgruppe und sich selbst die Fleischtröge zu sichern. Genau das ist mit dem Titel des Buches gemeint, der auf die Metapher von der „Politik des Bauches“ anspielt, die der französische Afrika-Experte Jean-François Bayart geprägt hat. Wrongs Buch ist sehr zu empfehlen. Es wird voraussichtlich in diesem Jahr auch auf Deutsch erscheinen.


Felix Ehring

welt-sichten 02-2010