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welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

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Kampf um Rohstoffe in Afrika

Roger Southall, Henning Melber (Hg.)
A new scramble for Africa?
Imperialism, investment and development
University of KwaZulu-Natal Press, Scottsville 2009, 440 Seiten,
ca. 33,90 Euro


Mit dem steigenden Interesse an mineralischen Rohstoffen ist der afrikanische Kontinent wieder ins Interesse der Weltöffentlichkeit gerückt. Neben Europa und den USA beanspruchen längst auch China und Indien Ölfelder und Minen dort. Auch Südafrika beteiligt sich am Kampf um Lizenzen und Schürfrechte. Dabei können seine expandierenden Minenkonzerne auf eine lange Geschichte der Ausbeutung von Kohle und Gold im Großraum Johannesburg zurückblicken. Aus nationalen sind multinationale Unternehmen hervorgegangen, die Johannesburg noch immer als Einfallstor für ihre Geschäfte in Afrika nutzen.

Aktuelle Entwicklungen und grundlegende Strukturen im Kampf um Afrikas Rohstoffe analysieren Roger Southall, Soziologieprofessor an der Witwatersrand Universität in Johannesburg, und Henning Melber, Direktor der Dag Hammarskjöld-Stiftung in Uppsala. Darüber hinaus zeigt ihr umfangreicher Sammelband an zahlreichen Fallbeispielen die historischen Hintergründe der gegenwärtigen Probleme auf. Europäische und afrikanische Autorinnen und Autoren präsentieren eine große Bandbreite an Schwerpunkten und Sichtweisen.

Alle Beiträge zeichnet eine akribische Recherche von Daten und Fakten aus. So ist das Buch eine Fundgrube für spezielle und vergleichende Informationen über die Ölförderung in verschiedenen westafrikanischen Ländern und im Tschad. Sehr erhellend sind die Erläuterungen zu den Kontinuitäten der Minenausbeutung, etwa im zentralafrikanischen Kupfergürtel oder im Osten der Demokratischen Republik Kongo, und die Befunde zur Militarisierung der Konflikte über die Ressourcennutzung. Immer wieder wird deutlich, wie sehr wirtschaftliche und politische Machtinteressen bis heute mit Ausbeutungsstrukturen verbunden sind.

Einzelne Autoren prangern nicht nur imperial auftretende Industrieländer oder multinationale Konzerne, sondern auch die korrupten Regierungen afrikanischer Länder an. Mit den unfairen Handelsbeziehungen und der Lähmung eigener Wirtschaftsinteressen von Afrikanern gehen sie ebenfalls hart ins Gericht. Auf kurzfristige Profitmaximierung gerichtete Bestrebungen verhindern ökonomische Initiativen, die auf Nachhaltigkeit setzen. Dennoch sehen die Herausgeber die einzige Chance darin, den Widerstand und die Selbstbestimmung der afrikanischen Bevölkerung zu stärken. Zugleich müssten die Institutionen, die über globale Märkte bestimmen und Ausbeutungsverhältnisse in afrikanischen Ländern festigen, grundlegend geändert werden.


Rita Schäfer

welt-sichten 02-2010