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welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

nur eine Minderheit hat in Entwicklungsländern eine wirksame Sozialsicherung. Krankheiten, Unfälle, Einkommenseinbußen oder Folgen des Alters können für die große Mehrheit den Verlust der Existenzgrundlagen bedeuten. Doch alle Menschen haben ein Recht auf eine Mindest-Absicherung, wie sie unter anderen die Internationale Arbeitsorganisation propagiert. Die Modelle dafür aus den Industrieländern taugen im Süden wenig, erklärt Armando Barrientos. Hier sind Transferzahlungen vom Staat stärker gefragt, und sie werden in mehreren Schwellenländern erfolgreich erprobt. Versicherungen sind dagegen nur begrenzt nützlich, erläutert Markus Loewe: Staatliche sind meist nur einer Minderheit zugänglich, private für die Armen zu teuer und Mikroversicherungen für wichtige Bereiche kaum tauglich. Einen Ausweg sieht er darin, staatliche Sozialversicherungen mit Hilfe von öffentlichen Zuschüssen allen Bürgern zugänglich zu machen. Diesen Weg beschreitet Indonesien gerade bei der Krankenversicherung – gegen den Widerstand der bestehenden Kassen, wie Annett Keller berichtet.

Die Geber von Entwicklungshilfe haben sich in der Sozialsicherung zunächst nur engagiert, um Härten der von ihnen propagierten Strukturanpassungen im Süden abzufedern. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Sozialprogramme für die Bekämpfung der chronischen Armut auf längere Sicht nötig sind, schreibt Anna McCord. Sie fordert, die Geber sollten für die Grundsicherung in sehr armen Ländern mehr Geld zusagen, zum Beispiel aus internationalen Steuern, und ihre Programme besser koordinieren.

Mängel bei der Abstimmung hat Matthias Knecht in Nicaragua aufgespürt: Hier liegt eine Palmölplantage mit benachbarten Kakaobauern im Streit, und beide Seiten erhalten deutsche Entwicklungshilfe. Außerdem in dieser Ausgabe: Diana Jeater analysiert die politische Lage in Simbabwe, wo die Partei des greisen Präsidenten von Kämpfen um seine Nachfolge zerrissen wird. Und Tania Branigan schildert, dass in China infolge der Abtreibung weiblicher Föten Millionen Frauen fehlen, es aber allmählich gelingt, Mädchen mehr Achtung zu verschaffen.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen


Bernd Ludermann
Chefredakteur

welt-sichten 2-2012