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Besser keine Konflikte riskieren

Deutsche Städte zögern bei Partnerschaften mit arabischen Kommunen

Partnerschaften mit Kommunen im Nahen und Mittleren Osten sind in Deutschland selten. Ganze 13 von insgesamt 6700 Städteverbindungen bestehen mit Städten im Iran, in Syrien, Ägypten, Tunesien und den Palästinensischen Autonomiegebieten. Köln unterhält seit 1995 enge Kontakte zu Bethlehem. Heinz-Rudolf Höning vom Verein zur Förderung der Partnerschaft zwischen den beiden Städten erläutert Hintergründe, Chancen und Schwierigkeiten.

Wie ist die Partnerschaft zustande gekommen?

Nach dem Abkommen von Oslo 1995 schien Frieden im Nahen Osten nahe. Köln hat seit 1979 eine Partnerschaft mit Tel Aviv und wollte die Beziehungen durch Kontakte zu einer palästinensischen Stadt zum Trialog ausweiten. Die Initiative ging von Köln aus und Hans-Jürgen Wischnewski hat damals vermittelt. Der Trialog hat nicht so funktioniert, wie wir wollten. Die Widerstände auf beiden Seiten waren zu groß.

Welche Rolle spielt die Religion für die Partnerschaft?

Bethlehem ist seit 1948 mehrheitlich muslimisch. Über die Zahl der Christen gibt es keine verlässlichen Angaben. In den vergangenen zehn Jahren sind sehr viele von ihnen in den Westen ausgewandert. Heute liegt ihr Anteil schätzungsweise bei einem Zehntel. Der Bürgermeister von Bethlehem muss aber ein Christ sein, das hat der frühere Palästinenserpräsident Yassir Arafat per Gesetz verfügt. Es fällt uns leichter, Kontakte zu Christen und christlichen Institutionen zu knüpfen. Wir wollen aber intensiver mit Muslimen arbeiten. In Bethlehem steht das einzige Frauenhaus der palästinensischen Autonomiegebiete. Wir fördern diese Einrichtung, weil sie vor allem muslimische Frauen unterstützt. Aber noch sehr vielviel prägender als der islamische Hintergrund ist die Besatzungssituation.

Wie wirkt sich die aus?

Bethlehem ist durch die israelische Mauer praktisch vollkommen von der Außenwelt abgeriegelt. Die Stadt war schon wochen- und monatelang von jeder Versorgung abgeschnitten. Bestimmte Stadtteile kann man nur erreichen, wenn man über Jerusalem fährt. Auch für uns Kölner ist es nicht so einfach, nach Bethlehem zu fahren.

Gibt es weitere Partnerschaften zwischen deutschen und palästinensischen Kommunen?

Es gab nach dem Oslo-Friedensprozess Ansätze in Hamburg, Münster und Aachen. Sie haben sich aber alle mit dem Beginn der ersten Intifada im Jahr 2000 zerschlagen. Seitdem hat nur noch Nürnberg versucht, eine Partnerschaft mit Hebron zu schließen. Dagegen hat sich aber schnell eine politische Front in Nürnberg gebildet, nach dem Motto: Die Hauptstadt des Nationalsozialismus paktiert mit der Hochburg des palästinensischen Terrorismus. Damit war die Sache erledigt. Die Länder im Nahen und Mittleren Osten gehören nicht zu den klassischen Regionen deutscher Entwicklungszusammenarbeit. Und Zentralasien ist erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ins öffentliche Interesse gerückt. Wir nehmen den Nahen und Mittleren Osten als sehr konfliktreich wahr. Viele Kommunen denken sich dann: Ich lasse lieber die Finger davon.

Die Region liegt aber geografisch und historisch näher an Europa als zum Beispiel Lateinamerika.

Viele Partnerschaften kommen auf Initiative von Dritte-Welt-Gruppen zustande, und Lateinamerika stand in den 1970er und 1980er Jahren im Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit. Bei den Partnerschaften mit Asien, wie bei der Verbindung Köln-Peking, stehen oft wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. Außerdem entstehen Kontakte oft über Kirchengemeinden und kirchliche Organisationen. Zum arabischen Raum gibt es wenig intensive Kontakte, die nötig sind, um eine Partnerschaft aufzubauen. In Köln setzen wir auf Schüler- und Jugendaustausch, organisieren Konzerte, Lesungen und Fotoausstellungen, um über die Lage in den Palästinensergebieten zu informieren. Ich halte Städtepartnerschaften aber für besonders wichtig, um einen Beitrag zur Verständigung mit krisenreichen Regionen zu leisten.

Die Fragen stellte Claudia Mende.

welt-sichten 2/3-2008