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Bilinguale Schulen in Ecuador

Noticias Aliadas (Lima, 2/2008):
Seit rund zwanzig Jahren werden im Siedlungsgebiet der Saraguros-Indiogemeinschaften in Ecuador zweisprachige Schulen betrieben mit dem ausdrücklichen Ziel, die Quechua-Sprache wiederzubeleben und den Ureinwohnern ihr kulturelles Selbstbewusstsein zurückzugeben, schreibt Lily Céspedes. Quechua galt bis zur spanischen Eroberung auf dem Subkontinent als Lingua franca. In Peru verliere diese Sprache zusehends an Bedeutung, obwohl sie zur zweiten Amtssprache erklärt worden ist. Auch im Siedlungsgebiet der Saraguros in Ecuador sei seit Anfang der 1970er Jahre Quechua von immer weniger der rund 28.000 Stammesmitglieder gesprochen worden. Doch 1987  habe sich eine Gruppe von indianischen Lehrern zusammengetan, um ein Erziehungssystem aufzubauen, das „der gesellschaftlichen Realität und der Perspektive ihres Volkes gerecht wird“, so Céspedes.

In den daraus hervorgegangenen Schulen für andinische Bildung, die von Lehrern aus dem Kreis der Saraguros geleitet werden, werde auf Quechua und Spanisch unterrichtet. Neben dem normalen Lehrstoff werde den Schülern auch der Schutz der Umwelt sowie Respekt vor den Werten  der Indiogemeinschaften beigebracht, wodurch die Wiederentdeckung der Handwerkskunst ihrer Vorfahren gefördert werde. Mit diesem Programm würden laut Luis Montaluisa, dem früheren Leiter des Nationalen Direktorats für bilinguale Erziehung, den Ureinwohnern ein gleichberechtigter Zugang zum Bildungssystem verschafft und ihre Selbstorganisation gestärkt. Zuvor sei die Schule eine Form der Indoktrination gewesen, die fremde Werte als universell geltend vertreten habe. Inzwischen gebe es eine ganze Reihe von Saraguros-Akademikern, die als Ärzte oder Ingenieure in den Dörfern arbeiteten. Das Hauptproblem des bilingualen Unterrichts, der in Ecuador an knapp 2000 Grundschulen und 112 weiterführenden Schulen gewährt wird, ist heute laut Montaluisa, dass die Hälfte der Quechua-Lehrer auf der Suche nach besseren Einkommensmöglichkeiten nach Europa ausgewandert sei.     

Karl Otterbein

www.noticiasaliadas.org

welt-sichten 2/3-2008