Das nachkoloniale Afrika
Rainer Tetzlaff / Cord Jakobeit
Das nachkoloniale Afrika: Politik – Wirtschaft – Gesellschaft
VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005,
304 Seiten, 29,90 Euro
Rainer Tetzlaff und Cord Jakobeit, Politikwissenschaftler an der Universität Hamburg, haben mit diesem Buch über das nachkoloniale Afrika ein Lehrbuch vorgelegt, das eine Einführung in die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungsprobleme des gesamten Kontinents gibt. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Gegenwart. Im Vorwort verweisen die Autoren auf die Schwierigkeit, dass sich Afrika „beharrlich gegen jede Form der Generalisierung zu sträuben“ scheint. Es gelingt ihnen jedoch überzeugend, „die Analyse von Mustern und Trends der Entwicklung von Staaten, Gesellschaften, Volkswirtschaften und Kulturen Afrikas“ mit der Beschreibung lokaler Besonderheiten in den 54 Ländern zu verbinden. Im ganzen Buch werden immer wieder Abschnitte eingefügt, die spezielle Entwicklungen einzelner Länder erklären und damit allgemeine Trends illustrieren.
Das Buch beschäftigt sich mit der übergreifenden Frage, warum es im nachkolonialen Afrika nicht gelungen ist, Armut und Unterentwicklung spürbar zu verringern. Die Autoren grenzen sich von einseitigen Erklärungen ab, wonach die Fehlentwicklungen entweder das Resultat der von außen verursachten (exogen) Einbindung in den Weltmarkt oder des Politikversagens der nachkolonialen Eliten sind, also von innen verursacht (endogen). Sie heben die Bedeutung beider Dimensionen sowie struktureller Faktoren hervor. Darunter verstehen sie vor allem geographische und klimatische Gegebenheiten. Nicht einzusehen ist, weshalb sie auch Geschlechterverhältnisse als strukturellen Faktor definieren. Es scheint, als wussten sie nicht recht, wo sie dieses von ihnen wenig beachtete Thema unterbringen sollten. Als gesellschaftliches Phänomen wäre es bei den endogenen Faktoren sicher besser aufgehoben.
In sieben Kapiteln behandelt das Buch Aspekte, die für das Verständnis des nachkolonialen Afrika wichtig sind: die Kolonialgeschichte, Gemeinschaft und Nationenbildung, Kriege und ethnische Konflikte, Staatswerdung und Staatszerfall, Demokratisierung, Außenbeziehungen und Wirtschaft. Die Hervorhebung zentraler Begriffe am Rand des Textes erleichtert die Lektüre sehr. Dem Lehrbuchcharakter entsprechen auch die zahlreichen Übersichten und Tabellen (vor allem im Kapitel zur Wirtschaft). Das Buch ist in erster Linie für den universitären Gebrauch gedacht. Es ist aber zu wünschen, dass es auch breitere Leserkreise erreicht.
Peter Meyns
