Seite drucken        Seite schlie?en 

 

welt-sichten

welt-sichten bestellen

Suche

welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

Login

Login

Newsletter



Newsletter absenden

welt-sichten


Im Auftrag der Versöhnung

Eine Delegation des Weltkirchenrates besucht Orte der Gewalt in Kenia

Von Bettina Stang

Der Gewaltausbruch nach den Wahlen in Kenia hat auch in den Kirchen Entsetzen hervorgerufen. Der Interreligiöse Rat, der Nationale Kirchenrat und die Bischofskonferenz des Landes riefen zum Verzicht auf Gewalt und zu nationaler Versöhnung auf. Doch das Bekenntnis zur politischen Neutralität fiel nicht allen Kirchenführern leicht.

„Ich bin sehr besorgt darüber, dass sich die Kirchenführer offen für die rivalisierenden Parteien stark machen“, hatte der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Samuel Kobia, Ende Januar der Nachrichtenagentur epd gesagt. Der Generalsekretär des Nationalen Kirchenrates in Kenia (NCCK), Peter Karanja, hält dagegen, dass nach den Wahlen ein „tiefgreifender Prozess des Nachdenkens“ eingesetzt habe.

Leitende Kirchenvertreter hätten „Unbehagen“ über ihre Rolle in den parteipolitischen Auseinandersetzungen vor den Wahlen gezeigt und bemühten sich jetzt, ihrer Verantwortung für die nationale Einheit gerecht zu werden. So hätten sich Bischöfe verschiedener ethnischer Zugehörigkeit zu Vermittlungsgesprächen getroffen und einen gemeinsamen Gedenkgottesdienst für die Opfer der Gewalt vereinbart, berichtete Karanja einer vom ÖRK organisierten internationalen Solidaritätsdelegation.

Die Delegation hatte Anfang Februar das Land besucht und war mit Kirchenvertretern und rivalisierenden Parteipolitikern zusammengetroffen. Bei einem Besuch im Rift Valley erlebten die zehn Teilnehmer, wie tief die Wunden sind, die der langjährige Konflikt um Land in dieser Region geschlagen hat. Prälat Stephan Reimers, der im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an der Reise teilnahm, berichtet von einem Vermittlungstreffen zwischen zwei verfeindeten Gemeinden. „Von Versöhnung kann hier so schnell nicht die Rede sein“, sagt er.

Ein möglicher „Friedensschluss“ etwa durch die Vermittlung des früheren UNO-Generalsekretärs Kofi Annan sei nur der erste Schritt, um den Boden für weitere Verhandlungen zu bereiten. Deren Ziel müsse es sein, die historisch entstandenen Ungerechtigkeiten auszugleichen. Zu den wichtigsten Ursachen der ethnischen Gewalt zählten die ungerechte Landverteilung und die Diskriminierung beim Zugang zu staatlichen Ressourcen, so Reimers.

Der Allafrikanische Kirchenrat (AACC) hatte in seiner Stellungnahme nach den Wahlen vor allem auf die Einhaltung rechtsstaatlicher Standards gedrängt und an den gemeinsamen Traum funktionierender Demokratien in Afrika erinnert. Kenia habe Vorbildcharakter, heißt es in der Erklärung von Mitte Januar. „Was ist aus dem hehren Einsatz für ein Mehrparteien-System geworden, mit dem Kenia noch vor fünf Jahren die Welt beeindruckt hat?“, fragt der Generalsekretär des AACC, Bischof Mvume Dandala. Er warnt Kenia und die Kirchen davor, den Konflikt allein als interne Angelegenheit zu betrachten, in der äußere Einmischung fehl am Platz sei. Die parteipolitischen Streitigkeiten müssten rechtsstaatlichen Gepflogenheiten entsprechend von den Gerichten geklärt werden.

Internationale Unterstützung ist nicht nur bei den Vermittlungsbemühungen notwendig. Der Gastgeber der ÖRK-Delegation, Peter Karanja, betonte: „Alle, auch die Politiker, erwarten, dass die Kirchen eine wichtige Rolle bei der Versöhnungs- und Heilungsarbeit, bei der Wiederansiedlung der Vertriebenen und dem Aufbau von Vertrauen spielen.“ Dazu seien jedoch mehr finanzielle Mittel erforderlich, als die kenianischen Kirchen aufbringen könnten.

Die Hilfsorganisationen reagieren bislang zurückhaltend. Der Spendeneingang für Kenia sei „extrem niedrig“ berichtet Achim Reinke von Caritas international in Freiburg. Aktuell versorge der weltweite Caritas-Verband 30.000 Flüchtlinge. Für eine langfristige Unterstützung stehe nicht genug Geld zur Verfügung.

welt-sichten 2/3-2008