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Kritik an Peking nicht aus Sportlermund

Die Olympiade macht dennoch Hoffnung auf eine Öffnung in China

Johannes Schradi

Die Olympiade in China rückt näher. Eine gemeinsame Anhörung des Sport- und des Menschenrechtsausschusses im Bundestag im Januar befasste sich mit der Frage, ob die Olympischen Spiele in dem kommunistischen Land die Menschen- und Bürgerrechte fördern können und ob die schweren Defizite ausreichend benannt sind.

Haben Sportler die Aufgabe, sich kritisch zu politischen Fragen zu äußern? Menschenrechtskritik aus Sportlermund gehöre nicht zum olympischen Pflichtprogramm, lautet die Antwort der Funktionäre des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Im Wettkampf verbiete sie sich gar. Ansonsten sei gesagt, was zu sagen ist. Der DOSB hat dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) für die Verhandlungen mit der chinesischen Führung eine Liste mit Forderungen mitgegeben: Sie reichen von der Abschaffung von Todesstrafe und Folter über eine Amnestie für politische Gefangene aus Anlass der Spiele bis zur Entschädigung von chinesischen Bürgern, die wegen olympischer Bauvorhaben enteignet wurden. Auch die Bewegungsfreiheit für Sportler und Journalisten sowie die Freiheit der Berichterstattung seien zu gewährleisten. Das IOC selbst hat keine Menschenrechts-Erklärung abgegeben.

„Durch die Olympischen Spiele wächst die Chance, dass es zu Verbesserungen der Menschenrechtslage kommt“, gibt sich der DOSB zuversichtlich. Für Eisschnellläufer Christian Breuer, den Aktiven-Vertreter im Sportbund, ist klar, dass sich ein Land durch nichts so sehr öffne wie durch Olympische Spiele. Im DOSB hegt man die Hoffnung, dass eine Öffnung „nicht mehr zurückgeholt werden kann“. Denn so sei es schon einmal gewesen: 1988, bei den Olympischen Spielen in Seoul.

Auf eine nachhaltige politische Öffnung hofft auch der Gewerkschafter und Aktivist Apo Leong aus Hongkong. Aber einen Automatismus sieht er nicht, wie er auf einer Veranstaltung der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) deutlich machte. Repressionen und die Einschränkung von Bürgerrechten würden nicht von heute auf morgen aufhören.

Nicht anders sehen es der Strafrechtsprofessor Hans Jörg Albrecht und der China-Korrespondent Georg Blume. Doch sie betonen zugleich, Peking mache Fortschritte in punkto Menschen- und Bürgerrechte – und zwar im Eiltempo. „Kritik an Missständen zu formulieren, ist leichter, als die Fortschritte zu beobachten“, sagt Blume und wirbt für eine differenziertere Betrachtung, obwohl er selbst bei seiner Arbeit schon wiederholt stark behindert wurde. Die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses, Herta Däubler-Gmelin, bringt es auf diesen Nenner: Missstände müssten beharrlich angesprochen werden. Aber nicht, „indem man alles in die kurze Phase der Olympischen Spiele packt“.

Derweil gab bei einer Gesprächsrunde der Kreditanstalt für Wiederaufbau der frühere chinesische Botschafter in Deutschland, Mei Zhaorong, für die Spiele die Parole aus: „Wir werden gastfreundlich sein, aber keine Provokationen dulden.“ Wie Peking handeln wird, wenn es zu Protesten kommt, ist offen. Und Proteste sind zu erwarten.

welt-sichten 2/3-2008