Zuzahlung ausdrücklich erwünscht
Der Freiwilligendienst „weltwärts“ startet, doch einige Fragen sind noch offen
Von Johannes Schradi
Die ersten 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Freiwilligendienstes „weltwärts“ haben sich auf den Weg gemacht. Entsendet und betreut werden sie überwiegend von nichtstaatlichen Organisationen und ihren Partnern in aller Welt. Das Interesse bei potenziellen Freiwilligen und Entsendern ist groß – ungeachtet mancher Vorbehalte.
„weltwärts“ müsse ein „Lerndienst“ sein, hatte der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) gemahnt, als das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im vergangenen Jahr seine Pläne für den Dienst offenlegte. Den jungen Freiwilligen zwischen 18 und 28 Jahren solle vermittelt werden, was Entwicklungshilfe bedeutet und was sie leistet.
Der Dachverband der entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen VENRO hatte sich damals skeptisch gezeigt, ob die geplante Zahl von bis zu 10.000 Plätzen erreicht werden kann. Zusätzliche Entsendeorganisationen müssten gefunden werden – weit über den Kreis derjenigen hinaus, die schon in eigener Regie Freiwillige entsendet hatten. Viele Organisationen könnten jedoch den vom BMZ geforderten Eigenanteil von 25 Prozent zusätzlich zur staatlichen Förderung von 580 Euro pro Freiwilligem und Monat nicht aufbringen.
Alles Schnee von gestern? An die 50 Hilfsorganisationen und Initiativen sind bereits als Entsendeorganisation anerkannt. Mehr als 100 weitere haben diesen Status beim „weltwärts“-Sekretariat beim Deutschen Entwicklungsdienst (DED) beantragt, darunter auffällig viele kleine. Rund 300 anerkannte Einsatzorte gibt es bereits sowie über 800 Bewerberinnen und Bewerber, überwiegend junge Frauen. Bis zu 3000 Freiwillige könnten noch dieses Jahr auf Reisen geschickt werden, heißt es im BMZ. Die ersten arbeiten bereits in Projekten der Not- und Übergangshilfe, in Wiederaufforstungs- und Straßenkinderprojekten. Auch in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Umwelt- und Ressourcenschutz gebe es ab sofort vielfältige Einsatzmöglichkeiten.
Die potenziellen Entsender sind derweil mit praktischen Fragen beschäftigt. Sie müssen darauf achten, dass der Einsatz von Freiwilligen sie selbst und ihre Partner vor Ort nicht überfordert. Um organisatorisch und fachlich vorbereitet zu sein, haben sie drei Verbünde gebildet: einen katholischen, einen evangelischen und einen nicht kirchlichen. Das erleichtert vor allem kleineren, kirchlichen oder lokalen Hilfsinitiativen die Beteiligung. Diverse Kooperationsmodelle sind entstanden. So entsendet beispielsweise die Deutsche Welthungerhilfe nicht selbst, hat aber mit zwei anerkannten Entsendern vereinbart, dass sie Freiwillige in Welthungerhilfe-Projekten unterbringen können.
Ein Problem bleibt für viele Organisationen der finanzielle Eigenanteil. Sie greifen deshalb auf das Geschick der Freiwilligen zurück, selbst Spenden einzuwerben – sei es in der Familie, bei Freunden oder in der Gemeinde. „Das Einbringen von Spendenmitteln ist ausdrücklich erwünscht“, heißt es etwa bei der Organisation Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd). Obwohl der neue Dienst laut BMZ die Freiwilligen nichts kosten soll, erlaubt das Ministerium derlei Kollekten bis zu einem monatlichen Betrag von 150 Euro. Vor allem kleinere Organisationen machen keinen Hehl daraus, dass es anders gar nicht geht.
Doch nicht nur sie befürchten, dass sich eine Art „Zwei-Klassen-System“ herausbilden könnte: von Freiwilligen, die Geld zuschießen müssen, und solchen, deren Entsendeorganisationen das nicht fordern. Hierzu zählt etwa der vom BMZ finanzierte DED, der derzeit größte „weltwärts“-Entsender, der allein in diesem Jahr bis zu 300 Freiwillige auf Reisen schicken will. Nicht wenige Entsender stört dieser Startvorteil, zumal beim DED auch das Auswahl-Sekretariat angesiedelt ist.
