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Sinneswandel im Geschäftsinteresse

Der Pharmakonzern GlaxoSmithKline kommt armen Ländern entgegen – aber nur ein kleines Stück

GlaxoSmithKline (GSK) hat eine Kehrtwende angekündigt. Der Pharmakonzern will künftig in den 50 ärmsten Ländern seine Medikamente um drei Viertel billiger anbieten als in den USA und Großbritannien. Ein Fünftel der in den ärmsten Ländern erzielten Profite möchte er für deren Gesundheitswesen bereitstellen. Und GSK will für die Entwicklung von Medikamenten gegen vernachlässigte Krankheiten einen Teil seiner Patente freigeben. Das Umdenken ist bemerkenswert, es hilft den Armen aber nur wenig.

Die Pläne sind ein gewisser Fortschritt: Mit dem Vorschlag, Patente in einen Pool einzubringen, gesteht GSK ein, dass sie die Entwicklung von Medikamenten für Krankheiten wie Cholera und Malaria behindern. Der Konzern will andere Pharma unternehmen bewegen, ebenfalls manche Patente freizugeben. Er stützt so, wohl ohne Absicht, das Argument, dass im öff entlichen Interesse liegendes Wissen frei zugänglich sein sollte. Der Pharmakonzern, einer der fünf größten der Welt, bekennt sich zudem zur Mitverantwortung für den Unterhalt des Gesundheitswesens in armen Ländern, in denen er Geschäfte macht.

Doch die Zugeständnisse sind geschickt auf Geschäftsinteressen abgestimmt. Sie verbessern das Image zu geringen Kosten und helfen den Armen erst einmal wenig. Warum? Wenn der Konzern den Preis in den ärmsten Ländern um drei Viertel senkt und dennoch aus dem Profit spenden will, ist dieser offenbar weiter hoch. Und die lobenswerte Spende ist zu verschmerzen, da GSK nur etwa 0,12 Prozent seines Umsatzes in den 50 ärmsten Ländern macht. Die meisten Menschen dort können aber auch einen um drei Viertel ermäßigten Preis für Medikamente von GSK nicht zahlen. Die bleiben für sie unerschwinglich – so wie für Hunder- te Millionen Arme in Ländern wie Indien, die nicht in den Genuss der Preissenkung kommen.

Um Armen Zugang zu Medikamenten zu verschaffen, sollte man besser an Generika-Firmen im Süden gegen Gebühr Lizenzen für den Nachbau vergeben. Das kann den Preis auf ein Zehntel bis ein Hundertstel senken. Deshalb sind Zwangslizenzen etwa für Aids-Medikamente wichtig. Genau die will GSK aber abwenden. Der Konzern gibt Patente frei für Mittel gegen Krankheiten, die auf arme Länder mit sehr kleinem Markt beschränkt sind, nicht aber für Arznei gegen weiter verbreitete Leiden – und nicht für Aids-Mittel. GSK will off enbar nicht, dass Medikamente, die auch auf großen Märkten in Industrie- und Schwellenländern verkauft werden, billig hergestellt werden dür- fen. Doch viele davon – gegen Aids, aber auch etwa Herzkrankheiten und Diabetes – brauchen zahllose Arme dringend. Der Weg, sie ihnen zu verschaffen, bleibt steinig.


(bl)

welt-sichten 03-2009