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welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

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Das Persönliche ist politisch

Peter Overbeck
Santiago, 11. September.
Erinnerungen an Chile
Verlag Nautilus, Hamburg 2008,
254 Seiten, 19,90 Euro


Peter Overbeck schildert vornehmlich die Zeit, die er zwischen 1971 und 1974 in Chile verbrachte. Der gebürtige Mannheimer geriet als 19-Jähriger in russische Kriegsgefangenschaft. 1951 wanderte er nach dem Kunststudium mit seiner Frau nach Brasilien aus. Dort war er als Kameramann tätig und kämpfte politisch gegen die Militärdiktatur. Das zwang ihn 1971, wie viele andere, zur Flucht nach Chile.

Overbeck verknüpft persönliche Erlebnisse mit politischen Ereignissen, die Chile über einen friedlichen Weg zum Sozialismus bringen sollten: die erfolgreichen Wahlen 1971 und 1973, der umjubelte Besuch Fidel Castros, die Agrarreform, die hitzigen politischen Debatten in den verschiedenen politischen Zirkeln. Dabei ist er hin- und hergerissen zwischen der bedingungslosen Bewunderung Salvador Allendes und der damaligen Überzeugung des linksmilitanten Movimiento de Izquierda Revolucionaria (MIR), dessen Mitglied er war, dass der politische Prozess Richtung Sozialismus zu beschleunigen, zu vertiefen und irreversibel abzusichern sei.

Breiten Raum nehmen die Ereignisse um den Putsch gegen Allende am 11. September 1973 ein. Welche Faktoren waren bestimmend? Es war wohl ein ganzes Bündel: die Mobilmachung der Gegner der Unidad Popular mit Töpfe schlagenden „Hausfrauen" und Unternehmerstreiks, die wirksam das zum Teil auch selbstverschuldete wirtschaftliche Chaos verschärften; die Selbstüberschätzung der Linken angesichts der realen Macht der Militärs; die Furcht der Besitzenden vor dem Kommunismus und der Schwenk der Christdemokraten in das Lager der Rechten. Hinzu kamen der Verrat an der Verfassung seitens der Militärs um Augusto Pinochet und die aktive Unterstützung der Putschisten durch die USA.

Das Buch ist im Erzählstil verfasst, leicht zu lesen und lässt die damalige Zeit anschaulich vor dem geistigen Auge entstehen. Die Erinnerungen Overbecks zeugen von erhalten gebliebener Leidenschaft, allerdings driften sie manchmal auch ab in schwer verdauliche Platitüden und ins Pathetische.


Werner Würtele

welt-sichten 03-2009