Krisenherd Horn von Afrika
Eva-Maria Bruchhaus, Monika M. Sommer (Eds.)
Hot Spot Horn of Africa Revisited.
Approaches to Make Sense of Conflict
Lit Verlag, Berlin/Münster 2008,
298 Seiten, 29,90 Euro
Das Horn von Afrika, schreibt Volker Matthies in seinem Vorwort zu diesem Sammelband, war und ist eine der krisenanfälligsten Regionen des Kontinents. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten die 19 Aufsätze diesen Tatbestand. Die Beiträge sind durchweg kenntnisreiche Ergebnisse längerer Untersuchungen und gruppieren sich um die drei Länder Somalia, Äthiopien und Eritrea. Regional schwelt der Konflikt zwischen Äthiopien und Eritrea nach dem Grenzkrieg von 1998 bis 2000 weiter, aktuell hat sich der Brennpunkt jedoch nach Somalia verschoben, wo islamistische Gruppierungen mit der von der internationalen Gemeinschaft anerkannten Übergangsregierung um die Macht ringen.
Sehr aufschlussreich zum Verständnis der regionalen Machtpolitik ist der Beitrag Nicole Hirts, der zeigt, wie ein eher säkularer Staat wie Eritrea eine Kehrtwendung zum Förderer der Islamischen Gerichte in Somalia macht, um seinem verfeindeten Nachbarn Äthiopien zu schaden. Die Folge ist, dass Eritrea, das nach dem 11. September 2001 - wie Äthiopien - zur „Koalition der Willigen" gehörte, inzwischen von den USA gemieden wird und dass die USA sich auch im Grenzstreit auf die Seite Äthiopiens stellen. Der Band enthält eine Vielzahl weiterer Beiträge zu konfliktrelevanten Aspekten der Gesellschaft in den drei Ländern, etwa über die Gewalt gegen Frauen in der eritreischen Armee. Merera Gudina behandelt die Gewalt vor und nach den Wahlen von 2005 in Äthiopien, die verdeutlicht, dass Machterhalt um jeden Preis die Regierungspolitik bestimmt.
Besonders interessant sind die Beiträge von Ulf Terlinden und Mohammed Hassan Ibrahim über die Region Somaliland, die seit 1991 ihren eigenen Weg geht, der nicht international anerkannt wird, und relativ friedliche Bedingungen geschaffen hat. Traditionelle Strukturen bieten offensichtlich Ansätze für basisorientierte Regelungen des politischen Zusammenlebens. Die Autoren verschweigen indessen nicht, dass auch in Somaliland Konflikte fortbestehen.
Mit diesem Band haben die Herausgeberinnen eine fundierte Fortsetzung des 2003 von Eva-Maria Bruchhaus edierten „Hot Spot Horn of Africa - Between Integration and Disintegration" vorgelegt. Die Publikation auf Englisch wird eine größere Verbreitung ermöglichen. Etwas mehr Sorgfalt bei der sprachlichen Redaktion einiger Texte hätte nicht geschadet. Für die sozialwissenschaftliche Literatur zum Horn von Afrika ist der Band eine Bereicherung.
Peter Meyns
