Ohne freie Presse keine Entwicklung
Pressefreiheit ist ein ebenso „mächtiges Entwicklungsinstrument" wie Investitionen und Bildung. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der UNESCO geförderte empirische Studie des Centre for Peace and Human Security am Institute Sciences Po in Paris. Laut den Forschern fördert eine freie Presse immer die Entwicklung einer Gesellschaft. Die Wissenschaftler haben den Grad der Pressefreiheit gemäß dem Freedom House Index in rund 200 Ländern zu Entwicklungsindikatoren wie Armut, Regierungsführung oder Gewalt und Konflikt in Beziehung gesetzt. Armut und Lebensstandard der Bevölkerung werden beispielsweise am Pro-Kopf-Einkommen sowie am Gesundheits- und Bildungsstand gemessen.
Zwischen der Pro-Kopf-Wirtschaftskraft eines Landes und dem Grad der Pressefreiheit gibt es laut der Studie einen starken Zusammenhang. Länder mit freier Presse seien in der Regel wohlhabender als die ohne Pressefreiheit: „Kein Land hat beides - eine freie Presse und ein niedriges Pro-Kopf-Einkommen", heißt es in der Studie, wobei die Forscher hier ein jährliches Einkommen von 10.000 US-Dollar als Grenze ansetzen. Umgekehrt seien Länder ohne Pressefreiheit meistens arm: In keinem Land, in dem über 40 Prozent der Bevölkerung mit weniger als zwei US-Dollar am Tag auskommen müssen, gebe es eine freie Presse. Gleichzeitig gilt laut der Studie: Je größer die Kluft zwischen Reich und Arm, desto weniger frei ist die Presse in einem Land.
Weniger eindeutig ist die Wechselbeziehung zwischen Pressefreiheit und Bildung. So hätten Mali, Niger und Burkina Faso zwar eine niedrige Alphabetisierungsrate, aber ihre Presse sei nicht unfreier als die von Ländern mit einem höheren Bildungsniveau. Die empirischen Ergebnisse ließen vermuten, dass Bildung zwar einen großen Einfluss auf die Pressefreiheit habe, umgekehrt aber Pressefreiheit nicht unbedingt Bildung befördere.
Laut den Autoren und Autorinnen der Studie dienen Medien als Mittler zwischen den Bürgern und Bürgerinnen eines Landes und ihrer Regierung. Sie informieren die Machthaber über die Bedürfnisse des Volkes und reagieren auf Krisen und Mangelsituationen. Sie machen staatliches Handeln transparenter und sorgen dafür, dass Regierungen darüber Rechenschaft ablegen müssen. Zusammen mit anderen Faktoren wie guter Regierungsführung tragen sie zudem zu einem unternehmensfreundlichen Umfeld bei und helfen, die Effektivität der öffentlichen Verwaltung zu steigern.
Bärbel Röben
