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welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

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Kurzrezensionen

Die Friedenswarte.
Journal of International Peace and Organization,
Band 83 (2008) Heft 4,
Berliner Wissenschaftsverlag,
129 Seiten, 19 Euro


Die Grundlage für die Arbeit des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), das Statut von Rom, wurde 1998 verabschiedet. Die Zeitschrift „Friedenswarte“ nahm das Ende 2008 zum Anlass für ein Heft zum Thema „10 Jahre Rom-Statut“. Erika de Wet fragt, inwiefern der IStGH in Konkurrenz zu Ad-Hoc-Tribunalen steht oder sie ergänzt. Michael Bothe behandelt Spannungen zwischen nationaler und internationaler Gerichtsbarkeit und wie das Rom-Statut damit umgeht. Christoph Burchard betrachtet das Völkerstrafrecht als Bestandteil von global governance: Es decke Mängel der staatlichen Ordnung – besonders der Justiz – in einzelnen Ländern auf, schaffe Anreize, sie zu beheben, und der IStGH könne im Notfall ersatzweise tätig werden. Zur Herleitung dieser originellen These bedient er sich leider einer kaum verdaulichen Fachsprache. Wer kein Jurist ist, dürfte am ehesten den Text von William Schabas ansprechend finden: Er untersucht das bisherige Vorgehen des Chefanklägers am Internationalen Strafgerichtshof und zeigt unter anderem, dass Luis Moreno Ocampo großen Ermessenspielraum hat und seine Entscheidungen unvermeidlich von politischem Kalkül beeinflusst werden.


(bl)

 


Claudia Trupp und Alexander Trupp (Hg.)
Ethnotourismus. Interkulturelle Begegnung auf Augenhöhe?
mandelbaum verlag, Wien 2009,
176 Seiten, 17,80 Euro


Der Ethnotourismus, also die Reisen zu fremden und als exotisch wahrgenommenen Kulturen, ist ein komplexes Phänomen. Was ist aber gewonnen, wenn Wissenschaftler es noch komplizierter machen, indem sie zur Erklärung einen bunten Strauß akademischer Sprache binden, Stilblüten inklusive? Da werden hybride und symbolische Räume konstruiert, in denen Interaktionen stattfinden, und Begriffe wie „Akkulturationseffekte“ bleiben ohne Erklärung. Elke Mader etwa schildert eine Wanderung im ecuadorianischen Hochland im Grundton eines Erlebnisberichts. Zwischendurch wechselt sie auf die Metaebene und stellt fest, dass die Wahrnehmung von Landschaft durch „kulturspezifische Einstellungen zur Natur kodifiziert“ werde. Das ist logisch und leicht nachvollziehbar, aber wem nützt die sprachliche Verschleierung? Nicht nur die Sprache, auch Verallgemeinerungen stören. „Ethnotouristen“ werden in der Mehrzahl der acht Beiträge als nicht näher bestimmte Gruppe behandelt, die vor allem ihre Vorstellungen von unberührten Wilden bestätigt sehen will. Eine genauere Unterscheidung wäre sinnvoll – die Motive der Reisenden sind mit Sicherheit nicht so pauschal. Das Buch bietet aber auch aufschlussreiche Ansätze. So wird anhand von Beispielen erläutert, unter welchen Umständen nicht nur die Besucher fremder Welten vom Ethnotourismus profitieren, sondern auch jene, die in Reisekatalogen als „ursprünglich“ oder „stolz“ beworben werden.


(fe)

 


Hannelore Börgel
Jenseits der Hauptstraßen in Afghanistan und anderen Umbruchregionen
Books on Demand GmbH
140 Seiten, 9,90 Euro


In den vergangenen 30 Jahren haben sich nicht nur das politische System und die Sicherheitslage, sondern auch der Alltag der Bevölkerung in Afghanistan immer wieder verändert. In Zentralasien kämpfen die Menschen seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion ebenfalls ums Überleben.  Der alltägliche Kampf der Bevölkerung um Normalität gerät in der Berichterstattung westlicher Medien schnell in den Hintergrund. Hannelore Börgel gibt den Menschen in ihrem Buch eine Stimme. Sie erzählt von Gewinnern und Verlierern, Zerstörung und Wiederaufbau, Alltag und Hoffnung in einigen der am schwersten zerrütteten Gegenden der Welt. Sie bereiste als entwicklungspolitische Gutachterin zahlreiche Regionen dieser Erde und schildert anschaulich ihre persönlichen Erlebnisse jenseits der Hauptstraßen. Neben den ausführlichen Berichten aus Afghanistan und Zentralasien geht sie eher flüchtig auf Begegnungen in Georgien, Armenien, China, auf den Philippinen, im Tschad und in der indonesischen Provinz Aceh ein. Kurze Kapitel geben Einblicke in den Alltag dieser Regionen, die von Krieg, Umbruch und Neuanfang geprägt sind. Hannelore Börgel liefert keine fundierten Analysen, sondern schildert in tagebuchartigen Skizzen ihre Erlebnisse auf Reisen. Wer umfassende Informationen zum Alltag in all diesen Ländern sucht, wird sie hier nicht finden können. Die Texte über Afghanistan und Zentralasien hingegen sind informativ und aufschlussreich.


(rt)

welt-sichten 03-2010