Zweifelhafter Klimaschutz
Die Kritik an der Produktion von Biokraftstoff wächst
Von Johannes Schradi
Drei kirchliche Hilfswerke und das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) haben sich dagegen ausgesprochen, heute schon Ziele für die Beimischung von Bioethanol zum Kfz-Kraftstoff festzulegen. Zunächst müssten wirksame Vorkehrungen für den sozial- und umweltverträglichen Anbau geschaffen werden.
„Es darf nicht zum Konflikt zwischen dem Anbau von Pflanzen für Agrarkraftstoff und der Herstellung von Nahrungsmitteln kommen“, mahnte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul anlässlich einer Bundestagsanhörung zu den Chancen und Risiken der Energiegewinnung aus Biomasse. Die Auswirkungen auf Entwicklung und Umwelt dürften nicht getrennt voneinander betrachtet, sondern müssten zusammen überprüft werden.
In einem mehrseitigen Diskussionspapier bezweifelt das Entwicklungsministerium den Nutzen von Biomasse-Energie für den Klimaschutz und fordert genauere Untersuchungen. Es sei zu befürchten, dass die Nahrungsmittelproduktion in Entwicklungsländern schrumpfe, die Preise stiegen und sich der Hunger ausbreite. Davon bedroht sei die ländliche Bevölkerung ebenso wie arme Städter. Auch die biologische Vielfalt leide unter dem Anbau von Biosprit-Pflanzen.
Das BMZ hat davor gewarnt, die Beimischungsmargen von Bioethanol am Kfz-Kraftstoff weiter zu erhöhen. Anfang April hat die Bundesregierung die für 2010 geplante Erhöhung von derzeit 5 auf 10 Prozent aus technischen Gründen zurückgenommen. Um die Welternährung zu sichern und zugleich Umwelt und Klima zu schützen sowie soziale Mindeststandards bei der Biosprit-Produktion zu gewährleisten, sei eine „gezielte politische Steuerung“ erforderlich, so das BMZ.
Ähnlich äußern sich „Brot für die Welt“, Evangelischer Entwicklungsdienst (EED) und Misereor in einer gemeinsamen Stellungnahme. Die kirchlichen Hilfswerke verweisen darauf, dass der beabsichtigte Einsatz von Biokraftstoffen nur durch einen deutlichen Ausbau der agroindustriellen Pflanzenproduktion in Entwicklungs- und Schwellenländern zu erreichen ist – wenn überhaupt. Vorrang müsse aus kirchlicher Sicht aber die Armuts- und Hungerbekämpfung haben. Hierfür böten nicht Monokulturen und genmanipulierte Energiepflanzen, sondern Mischanbau, Artenvielfalt und angepasste Landsorten das größte Potenzial.
Die Hilfswerke fordern von EU und Bundesregierung, von Beimischungszielen für Agrarkraftstoffe abzusehen, bis Nachhaltigkeitskriterien für Produktion und Handel „entwickelt und auf ihre Praxistauglichkeit getestet“ seien. Die anvisierten Ziele seien nur durch nicht-nachhaltige Importe aus Entwicklungsländern zu decken. Laut einer neuen Untersuchung würden für fünf bis zehn Millionen neue Arbeitsplätze in asiatischen Palmölplantagen die Lebensgrundlagen von 35 Millionen Kleinbauern zerstört.

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