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Regenbogen am dunklen Himmel

Martin Pabst
Südafrika
Verlag C. H. Beck, München 2008,
213 Seiten, 12,95 Euro


Das Jahr 2009 ist richtungweisend für die junge Demokratie in Südafrika. Der regierende African National Congress (ANC) ist intern heftig zerstritten. Nachdem im September 2008 Präsident Thabo Mbeki entmachtet worden ist, wird voraussichtlich der populäre, aber politisch schillernde und mit Korruptionsvorwürfen belastete Jacob Zuma als Sieger aus den Wahlen Ende April hervorgehen. Die im Dezember 2008 gegründete Partei „Congress of the People" könnte aber die gegenwärtige Zwei-Drittel-Mehrheit des ANC brechen.

Diese Entwicklungen überraschen nicht, wenn man das Buch von Martin Pabst gelesen hat, obwohl es bereits Anfang 2008 abgeschlossen wurde. In dem Kapitel „Südafrika vor einem Politikwechsel?" geht der Historiker und Politikwissenschaftler von dem richtungsweisenden ANC-Kongress von Polokwane im Dezember 2007 aus, bei dem Zuma den damaligen Präsidenten Mbeki als Parteichef abgelöst hat. Mit klaren Worten und sicherem Instinkt entwirft er ein relativ düsteres, aber realistisches Zukunftsszenario. Es bezieht sich nicht nur auf die mit zunehmender Schärfe ausgetragenen Konflikte in den südafrikanischen Machteliten, sondern auch auf die zentralen strukturellen Probleme des Landes: das miserable Erziehungssystem, die Auswirkungen der Aids-Pandemie, die überbordende Gewaltkriminalität und schließlich die überhastete Politik der bevorzugten Behandlung von Schwarzen, die zu einer starken Abwanderung von weißen Fachkräften geführt hat. Allerdings muss bezweifelt werden, ob eine stärkere politische Einbindung der burischen Minderheit ein Rettungsanker zur Lösung der gewaltigen Probleme des Landes hätte sein können, wie der Autor mit Hinweis auf einige fortschrittliche afrikaanssprachige Führungspersonen mehrfach andeutet.

Der Südafrika-Kenner Martin Pabst hat ein insgesamt sehr lesenswertes Buch vorgelegt, das in diesem Wahljahr und kurz vor der Fußballweltmeisterschaft hilft, das Land besser zu verstehen. Es hebt sich mit vielen interessanten Detailinformationen zur politischen Entwicklung der vergangenen zwei Jahrzehnte markant von überblicksartigen Darstellungen der Reiseführer ab, aber auch von fußnotenüberladener wissenschaftlicher Literatur. Die vom Herausgeber vorgegebene starre Grobgliederung in Land - Gesellschaft - Wirtschaft - Geschichte - Politik - Kultur zwingt allerdings dazu, Teilaspekte der Entwicklung zu bündeln, und führt damit zu Wiederholungen, die den informierten Leser stören mögen. So hätten Gesellschaft, Geschichte und Politik und vor allem die wirtschaftliche Entwicklung enger verflochten werden können. Die Kultur wird stiefmütterlich behandelt; dieser Teil erscheint etwas angeklebt und gleicht einer Menukarte von Aktivitäten. Ähnliches gilt für das eigentlich sehr interessante Kapitel „Deutschland und Südafrika". Schade ist auch, dass die durchaus informativen Bilder nur in schwarz-weiß abgedruckt sind und dadurch an Ausdruckskraft verlieren.


Heribert Weiland

welt-sichten 04-2009