Seite drucken        Seite schlie?en 

 

welt-sichten

welt-sichten bestellen

Suche

welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

Login

Login

Newsletter



Newsletter absenden

welt-sichten


Kurzrezensionen

Dieter Boris
Lateinamerikas politische Ökonomie Aufbruch aus historischen Abhängigkeiten im 21. Jahrhundert?
VSA Verlag, Hamburg 2009,
191 Seiten, 16,80 Euro


Der Autor untersucht, wie welt- und binnenwirtschaftliche Faktoren aufeinander eingewirkt und die Entwicklung von Gesellschaft und Politik in den Ländern Südamerikas beeinflusst haben. Um die Jahrtausendwende befand sich der Kontinent nach tiefgreifenden Krisen in einer Phase des Aufschwungs. Der wirtschaftliche und politische Wandel hat auch eine Reihe von Links- oder Mitte-Links-Regierungen an die Macht gebracht, die sich zum Teil deutlich gegen die bis heute in Lateinamerika vorherrschende neoliberale Orientierung ausgesprochen haben. Die aktualisierte Neuauflage des 2001 zuerst erschienenen Buches bietet eine Einordnung und eine solide Analyse der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen 140 Jahre. Einziger Kritikpunkt an diesem fundierten Überblick ist die Sprache. Komplizierte, langatmige Schachtelsätze und ein ausufernder Gebrauch von Fremdwörtern erschweren den Einstieg und den Lesefluss. Der Autor setzt zudem ein breites Wissen über Wirtschaftszusammenhänge sowie die Geschichte und Politik des Kontinents voraus. Wer diese Hürden nimmt, wird mit packenden Einsichten in komplexe Mechanismen belohnt.


(dh)



Bärbel Fünfsinn, Gabriele Meyer (Hg.)
Gender und religiöse Bildung weltweit
Biografische Einsichten
Verlag Otto Lembeck, Frankfurt am Main 2009,
192 Seiten, 16 Euro


Der methodistische Pastor aus Indien, Praveen Asangla, nennt es das „Ungeheuer Geschlechterungerechtigkeit“ – die Tatsache, dass Frauen in vielen Ländern dieser Erde noch immer aus sozialen, kulturellen, religiösen oder politischen Gründen gegenüber Männern benachteiligt werden und sich nicht frei entfalten können. Asangla und 22 weitere Autorinnen aus Afrika, Asien, Europa und Lateinamerika berichten in diesem Buch über ihren Kampf gegen dieses Ungeheuer. Die meisten von ihnen sind Theologinnen und Theologen. Sie erzählen, wie sie zur Frau beziehungsweise zum Mann erzogen wurden, wie sie zum Engagement für Geschlechtergerechtigkeit kamen und welchen Stellenwert Kirchen und Religion darin einnehmen. Entstanden sind notwendigerweise sehr unterschiedliche Texte, die aber interessante Begegnungen ermöglichen: etwa mit der indischen Ernährungswissenschaftlerin Vidhya Rani, der balinesischen Ärztin Luh Deborah Murthy und Jonah Gokova, einem Feministen aus Simbabwe. Jenseits aller Larmoyanz macht das Buch deutlich, wie fatal es ist, der einen Hälfte der Menschheit weniger Entwicklungschancen zuzugestehen als der anderen. Das sollten sich auch und gerade die Kirchen zu Herzen nehmen. Ein lesenswertes Buch, dessen Titel leider etwas steif und bürokratisch daherkommt – ganz im Gegensatz zu seinem Inhalt.


(gwo)  

 

Sonja Weinreich, Christoph Benn
HIV und Aids
Eine Krankheit verändert die Welt
Verlag Otto Lembeck, Frankfurt am Main 2009,
245 Seiten, 16 Euro


Im Kampf gegen HIV-Aids sind in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt worden. Preiswertere Arzneimittel, Generika von Originalpräparaten, helfen gerade in Entwicklungsländern, die Krankheit besser zu behandeln. Mittlerweile erhalten weltweit 40 Prozent aller Infizierten Medikamente und haben somit eine Chance auf ein Überleben. Trotz dieser Erfolge warnen Sonja Weinreich und Christoph Benn vor einer „Müdigkeit“ bei der Aids-Bekämpfung. In der komplett überarbeiteten Neuauflage ihres Buches zeigen sie anhand zahlreicher Hintergrundinformationen und Daten Fortschritte und Defizite in der Behandlung und Bekämpfung der Epidemie auf. Ausführlich erläutern sie die medizinischen, sozialen und kulturellen Faktoren bei der Ausbreitung von HIV/Aids. Anschaulich und umfangreich werden Präventionsmaßnahmen und Behandlungsmethoden erklärt, die häufig durch kulturelle Einstellungen erschwert werden. Die Haltung der Kirchen zu HIV/Aids ist dabei in den zurückliegenden Jahren sehr viel offener geworden. Die Autoren verweisen auf eine Reihe von kirchlichen Programmen zur Aufklärung und zur Versorgung von Aidspatienten. Neben zahlreichen Literaturhinweisen enthält das Buch auch einen umfangreichen Anhang zu den medizinischen Grundlagen und der geographischen Ausbreitung der Epidemie.


(rt)

welt-sichten 04-2010