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welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

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Leserbriefe

Die Frage nicht beantwortet

Zum Artikel „Wachstum, aber nicht für alle“, welt-sichten 2/2010

Ich bin enttäuscht von diesem Artikel! Einerseits bleibt Sumit Ganguly erstaunlich unkonkret in Bezug auf die heutigen Herausforderungen der indischen Entwicklungspolitik. Stattdessen liefert er einen Geschichts-Rückblick, der nicht nur selektiv in der Analyse der Faktoren ist, sondern auch unkritisch die westlichen Narrative von orientalischer Rückständigkeit und westlichem Fortschritt reproduziert. Andererseits scheitert seine Analyse der Verstrickungen von Wirtschafts- und Sozialpolitik, so dass er keine echte Antwort auf die Frage geben kann, warum der enorme wirtschaftliche Aufschwung nicht zu einer entsprechenden Reduktion von Armut geführt hat. So übersieht er denn auch, dass die eindimensionalen Vorstellungen von Entwicklung (aus der Ära Nehru wie in der „Grünen Revolution“), die ganz der Entwicklungsprogrammatik von Weltbank und Co entsprachen, gerade dazu geführt haben, dass trotz massiver Produktionssteigerungen ländliche Armut, ökologische Degradierung und sozio-kulturelle Verwerfungen zugenommen haben. So ist auch seine unkritische Haltung gegenüber der neoliberalen Wirtschaftspolitik seit 1991 höchst gefährlich! Deregulierung, Privatisierung und Liberalisierung führen eben vor allem zum Aufstieg nur eines kleinen Teils der Bevölkerung – von Landvertreibungen im Zuge der Errichtung von Sonderwirtschaftszonen (selbst im „kommunistischen“ West-Bengalen), der Verstärkung von Kastenungleichheiten oder der Ausweitung prekärer Beschäftigungsverhältnisse ganz zu schweigen. Dass im Verlauf der Weltwirtschaftskrise die Bereiche, in denen Indien seinen eigenen Weg ging, relativ unbeschadet überstanden haben, während die Sektoren, die stark in die globale Produktions- und Dienstleistungskette eingebunden sind, zu schwindelerregenden Einbußen und Massenarbeitslosigkeit geführt haben, sollte weiterhin zu denken geben. Das Beispiel Indien zeigt deutlich, dass Millenniumsziele nicht nur durch eine einfache Beschwörung von sozialer Gleichheit zu erreichen sind, sondern Teil einer integralen Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpolitik sein müssen.

Bernhard Offenberger, Heidelberg



Kastenwesen ausgeblendet

Zum Artikel „Wachstum, aber nicht für alle“, welt-sichten 2/2010

Die „Armen“ in Indien sind vorwiegend Dalits und niedere Kasten. Durch die strukturelle Gewalt, die vom Kastensystem ausgeht, werden sie von Geburt an diskriminiert und in Armut gehalten. Mit diesen billigen, ausgebeuteten Arbeitskräften, mit Kinderarbeit und Schuldknechtschaft lässt sich leicht Profit machen. Dieser Aspekt fehlt im Artikel.

Margit Nitsche, Helmstadt-Bargen

welt-sichten 04-2010