Eine Ethnographie des Geldes
Al Imfeld
Lies und werde reich.
Geschichten vom Geld
Rotpunktverlag, Zürich 2007,
192 Seiten, 19,80 Euro
In seinen Kurzgeschichten lässt uns Al Imfeld an seinen Erlebnissen auf Reisen und bei seiner Arbeit, vor allem in Afrika, teilhaben – das Geld immer fest im Blick. Zum Titel seines Buches haben ihn die Buchhandlungen in Nairobi inspiriert. Dort findet er zu seinem Bedauern noch immer keine Werke geschätzter Schriftsteller, dafür aber stapelweise US-amerikanische Bestseller mit den Mut machenden Titeln „Der Ein-Minuten-Millionär“ oder „How To Get Rich Quickly“.
Imfeld beobachtet die Menschen, die ihm auf seinen Reisen begegnen, sehr genau – nicht zuletzt ihren Umgang mit Geld. Das schildert er launig, bedächtig, mitleidend in seinen Kurzgeschichten. Nur einmal verlässt er dieses Metier und zeigt sich als Dichter in den zwölf Miniportraits verschiedener Charaktere und ihrer Besitzstände.
Auch von eigenen Erfahrungen mit dem Geld berichtet er: Wenn er vom Sammeln für das eigene Studium unter den Nachbarn im Dorf berichtet, ahnt man alle Gefühle, die den Spendeneintreiber plagen: Scham, Angst, aber auch Stolz. Gleiches gilt für die Gefühle der Spender: Scham über eine möglicherweise zu geringe Summe, Angst, dass die „Investition“ misslingen könnte, falls der Kandidat die Schule oder das Studium schmeißt, und Stolz, wenn es galt, nach bestandenem Studium die Primiz, die Priesterweihe, als Spender mitzufeiern.
In „Die Kraft der Nähmaschine“ beschreibt Imfeld Erfahrungen in der Entwicklungszusammenarbeit mit Simbabwe, dem damaligen Rhodesien. In Erinnerung an den Stolz seiner Mutter auf ihre Nähmaschine wollte er diese Symbole der Selbstständigkeit auch den Frauen im Befreiungskampf zugänglich machen. Der Chef der Befreiungsbewegung stimmte erst nach längerer Debatte zu. Allerdings hatte er einen anderen Verwendungszweck im Auge. Da Hilfswerke selbstverständlich kein Geld für Waffen ausgeben wollten, wünschten sich die Kämpfer Näh- und Schreibmaschinen, nur um sie umgehend mit der DDR gegen Waffen zu tauschen.
Imfeld versteht es, sich und anderen einen Spiegel vorzuhalten. Er tut dies mit Augenzwinkern und hinterlässt Kopfnicken wie Nachdenklichkeit. Wer sich und anderen beim Ausgeben, beim Horten oder bei der vergeblichen Suche nach Geld über die Schulter schauen will, hat viel von Imfelds Buch.
Dorothea Kerschgens
