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UNESCO-Indikatoren für Medienentwicklung

Die UN-Kulturorganisation fragt unter anderem nach Pressefreiheit und Meinungsvielfalt

Ob die Medien eines Landes Meinungsfreiheit, gute Regierungsführung und menschliche Entwicklung fördern, lässt sich nicht nur an ihrer Unabhängigkeit messen. Wichtig ist vor allem, wie umfassend in einer Gesellschaft der Zugang zu Medien ist – vor allem für benachteiligte Gruppen.

Der Zwischenstaatliche Rat des UNESCO-Programms zur Medienentwicklung IDPC hat Ende März in Paris einstimmig ein Rahmenpapier mit Indikatoren zur Bewertung der Medienentwicklung angenommen. Die Indikatoren sollen helfen, Programme zur Medienförderung nach einheitlichen Kriterien zu beurteilen und neue Förderbereiche zu identifizieren. Ein Beispiel: Frauen stehen selten an der Spitze von Medienunternehmen. Die UNESCO unterstützt deshalb Initiativen zugunsten von Frauen als Managerinnen von Bürger-Radios (Community Radios), zum Beispiel in Kambodscha.

Erarbeitet wurde das 59-seitige Papier  von einer Expertengruppe unter Leitung von Andrew Puddephatt, dem ehemaligen Direktor der internationalen Menschenrechtsorganisation zur Förderung der Meinungsfreiheit „Article 19“. Es enthält fünf Kategorien von gendersensiblen und armenorientierten Indikatoren, mit denen der Stand der Medienentwicklung gemessen werden kann. Alle Kategorien seien gleich wichtig und ergäben erst im Zusammenhang ein ganzheitliches Bild, heißt es in dem Papier. So fördere die Verfügbarkeit von Zeitungen allein nicht die Demokratie – etwa dann nicht, wenn es wie in ländlichen Regionen viele Analphabeten gebe.

Unter die erste Kategorie fallen „Gesetzliche und politische Rahmenbedingungen“. Hier geht es darum, inwieweit in einem Land Meinungsfreiheit, Pluralismus und Vielfalt der Medien politisch und rechtlich gefördert werden. Die Schlüsselindikatoren dieser Kategorie umfassen Informationsrechte, redaktionelle Unabhängigkeit und Informantenschutz. Der Bericht beklagt, dass in einer Reihe von Ländern diese Rechte im „Krieg gegen den Terror“ durch Sicherheitsgesetze ausgehöhlt worden seien.

Eine weitere Kategorie prüft die Pluralität und Vielfalt der Medien sowie faire und transparente Besitzverhältnisse. Indikatoren sind zum Beispiel Vorkehrungen des Staates gegen Medienkonzentration sowie die Förderung einer pluralen Medienlandschaft, einschließlich Bürger-Radios. Die dritte Kategorie „Medien als Plattform des demokratischen Diskurses“ bewertet, inwieweit Medien die Vielfalt der Perspektiven und Interessen in einer Gesellschaft spiegeln – einschließlich marginalisierter Gruppen. Die vierte Kategorie betrifft die Verfügbarkeit von professionellem Medientraining und die fünfte, inwieweit Medien Zugang zu moderner Technik haben, um lokal relevante Informationen zu verbreiten.   


Bärbel Röben

welt-sichten 5-2008