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welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

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Bücher zum Thema

Natalia Springer
Die Deaktivierung des Krieges.
Zur Demobilisierung von Gesellschaften nach Bürgerkriegen
nomos Verlag, Baden-Baden 2008,
329 Seiten, 39 Euro

Entwaffnung, Demobilisierung, Reintegration (EDR) – um diese drei Begriffe dreht sich das Buch der Beraterin für Sicherheitspolitik und Kolumnistin der kolumbianischen Tageszeitung El Tiempo. Springer analysiert die Versuche, nach dem Ende von Gewaltkonfl ikten mit deren Folgen umzugehen, anhand von acht verschiedenen Ländern. Bei allen Unterschieden verbinden Länder wie BosnienHerzegowina, Burundi, Angola, Kambodscha, Sierra Leone und El Salvador die Wut und die Traumatisierung ihrer Bevölkerung infolge der Gewalt. Auch triff t auf alle Staaten zu, dass nach dem Ende der Kämpfe ein ganzes Bündel weiterer politischer, wirtschaftlicher und sozialer Konfl ikte nach Lösungen verlangt. Springer erläutert Ansätze und zeigt die Erfolge und Misserfolge auf. Sie macht deutlich, wie zerbrechlich ein Waff enstillstand sein kann, wenn die einzelnen Schritte der Entwaff nung, Demobilisierung und Reintegration nicht konsequent und mit Wissen über die Situation vor Ort getan werden. Das Buch bietet einen sehr kenntnisreichen und lesenswerten Überblick zum Thema Abrüstung und Entwaff nung. Zugleich wird klar, dass daran die gesamte Gesellschaft beteiligt sein muss, um nach dem Ende eines Bürgerkrieges einen dauerhaften Frieden zu erreichen.
(fe)

 

Peter Kreuzer, Mirjam Weiberg
Zwischen Bürgerkrieg und friedlicher Koexistenz.
Interethnische Konfliktbearbeitung in den Philippinen, Sri Lanka und Malaysia
transcript Verlag, Bielefeld 2007,
602 Seiten, 40,80 Euro

Die Philippinen, Sri Lanka und Malaysia sind Staaten, in denen eine Vielzahl von Volksgruppen und Religionen zusammenlebt. Das Buch zeigt, welche Faktoren ausschlaggebend dafür sind, ob es zwischen ihnen zu Konfl ikten kommt oder ob die friedliche Koexistenz weitgehend gelingt. So habe die Bevorzugung der christlichen Mehrheit auf den Philippinen eine Gegenbewegung der Muslime hervorgerufen. In Sri Lanka führte die Benachteiligung der tamilischen Minderheit zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. In Malaysia hingegen sei die Vorstellung verworfen worden, dass Staat und Nation deckungsgleich seien. Die demokratische Teilhabe sei das Privileg politischer Eliten. Das System funktioniere, weil die Eliten die Interessen ihrer Volksgruppen ausreichend verträten. Demnach setze die friedliche Austragung von Konfl ikten nicht zwingend eine liberale, staatsbürgerliche Nationenbildung voraus. Vielmehr sei das weniger demokratische Malaysia bei der Vereitelung von Gewalt erfolgreicher als die Philippinen und Sri Lanka. Die vergleichende Studie bietet überraschende Erkenntnisse und viele Informationen über die drei Staaten. Manches erschließt sich aufgrund der Wortwahl und von Schachtelsätzen allerdings erst beim zweiten Lesen.
(fe)

 

Organisation for Economic cooperation and Development
Armed Violence Reduction Enabling Development
OECD, Paris 2009,
135 Seiten, kostenlos

740.000 Menschen sterben jährlich weltweit infolge von Waff engewalt. Fast drei Viertel von ihnen werden ermordet oder fallen anderen Gewaltverbrechen zum Opfer. Das Risiko, in Teilen von Brasilien, Jamaika oder Guatemala gewaltsam zu Tode zu kommen, ist höher als in manchen Staaten, in denen ein Bürgerkrieg tobt. Die Verbreitung von Gewalt trägt dazu bei, Sicherheit und Entwicklung in zahlreichen Ländern, Regionen und Gemeinschaften zu untergraben. Darauf macht die OECD mit dieser Publikation aufmerksam. Sie analysiert globale Trends, die eine Ausbreitung von Waff engewalt fördern wie die Zunahme grenzüberschreitender Kriminalität, die Schwäche öff entlicher Institutionen und eine wachsende Zahl junger Leute ohne Arbeit und Zukunftsperspektive. Darüberhinaus stellt das Autorenteam Ansätze vor, wie diese Form der Gewalt verhindert oder reduziert werden kann. Allerdings sind die Programme der Weltbank, der Weltgesundheitsorganisation und der Vereinten Nationen für Industrieländer entwickelt worden. Ob und wie sie sich an die Umstände in Entwicklungsländern anpassen lassen, muss sich erst noch zeigen. Die Broschüre, die in englisch und französisch erschienen ist, richtet sich vor allem an die Fachöff entlichkeit und kann bei der OECD bestellt werden.
(gwo)

 

Center on International Cooperation at New York University
Annual Review of Global Peace Operations 2009: Peacekeeping on the Brink.
New York 2009;
Briefing Paper unter http://www.cic.nyu.edu/Lead Page PDF/GPO_2009.pdf

Dieser Bericht sieht die Friedensoperationen unter dem Mandat der Vereinten Nationen in einer ernsten Krise. Denn sie gerieten entgegen der Lehren aus den 1990er Jahren erneut in die Rolle eines Ersatzes für politische Lösungsprozesse – etwa in Afghanistan, dem Sudan und dem Kongo. Die Zahl der mit UNMandat eingesetzten Soldaten und Polizisten war 2008 mit über 110.000 so hoch wie nie zuvor. Der Bericht erkennt drei große Einsatzgebiete: Den Nahen und Mittleren Osten, wo allein 50.000 Uniformierte unter NATOKommando in Afghanistan eingesetzt sind; Europa, wo die NATO und die EU die Einsätze führen; sowie Afrika. Hier standen zwei Fünftel aller Friedenstruppen weltweit. Sie stammen überwiegend aus Afrika selbst oder aus Südund Zentralasien und stehen unter dem Kommando der UN oder der Afrikanischen Union. In Westafrika – etwa in Sierra Leone – tragen sie erheblich zur Stabilisierung von Friedensprozessen bei. In den Krisenherden am Horn von Afrika, wo zwei Fünftel der in Afrika eingesetzten Friedenstruppen operieren, müssen sie aber als Ersatz für politische Lösungsansätze herhalten, und das ohne klare Unterstützung seitens der Großmächte. Nicht zuletzt deshalb, so der Bericht, können sie ihre Aufgaben kaum erfüllen.
(bl)

welt-sichten 05-2009