Dokument der Habgier
Mari-Monique Robin
Mit Gift und Genen
Wie der Biotech-Konzern Monsanto unsere Welt verändert
DVA, München 2009, 463 Seiten,
19,95 Euro
Die französische Journalistin und Dokumentarfilmerin Mari-Monique Robin hat sich dem investigativen Journalismus verschrieben. Als Bauerntochter weiß sie um die Risiken und Gefahren der Produkte des Chemie- und Biotech-Konzerns Monsanto für die Landwirtschaft und die Ernährung der Welt. Das in drei Kapiteln aufgefächerte Innenleben und die Außenwirkungen des 1901 in St. Louis in den USA gegründeten Unternehmens zeigen, warum dieser Konzern, der in 46 Ländern operiert und 2007 einen Umsatz von 7,5 Milliarden US-Dollar hatte, für seine rücksichtslose, aggressive Geschäftspolitik berüchtigt ist.
Als verantwortungsloser Chemieproduzent hat Monsanto jahrzehntelang mit dem Herbizid Roundup und den Basischemikalien für das Entlaubungsmittel „Agent Orange" Milliarden verdient. Diese Chemikalien haben kaum ermessliche Schäden an Menschen und Umwelt hinterlassen. Seit einigen Jahren nun mausert sich der Konzern zu einem weltweit führenden Hersteller von genetisch verändertem Saatgut - und scheut dabei weder Manipulation noch schlichten Betrug, wenn es um die Gewinnmaximierung geht. Im ersten Kapitel ihres Buches beleuchtet Robin die Chemieproduzentenphase des Unternehmens; ein eher düsteres und äußerst schmutziges Kapitel der amerikanischen Industriegeschichte. Im darauffolgenden Kapitel entlarvt sie die Behauptung des Unternehmens, es habe einen Sinneswandel zur nachhaltigen Entwicklung durchgemacht und wolle zur Sicherung der Welternährung beitragen, als pure Heuchelei.
Das abschließende Kapitel erläutert am Beispiel einzelner Länder und Pflanzen wie Soja, Mais, Baumwolle und Raps, wie Monsanto mit genmanipuliertem Saatgut vor allem in die Landwirtschaft Südamerikas eingreift und sich der Artenvielfalt bemächtigt. Mit der Anmeldung von Patenten in Europa auf indische Weizensorten treibt das Unternehmen indische Bauern in den Ruin, weil sie das Saatgut legal nicht mehr kostenlos nutzen dürfen. Es ist nicht immer leicht, diese akribische und mit unzähligen Zeugenaussagen belegte Recherche zu lesen, ohne einen unbändigen Zorn zu bekommen. Es ist ein wichtiges und aufrüttelndes Buch, ein Dokument darüber, was Habgier auf diesem Planeten anstellt.
Friedhelm Göltenboth
