Kurzrezensionen
Worldwatch Institute (Hg.)
Zur Lage der Welt 2010
Einfach besser leben. Nachhaltigkeit als neuer Lebensstil
Oekom-Verlag, München 2010,
300 Seiten, 19,90 Euro
Der Konsum in den Industrieländern bedeutet Raubbau an der Natur und zementiert die Ungerechtigkeit zwischen Arm und Reich. Anlass genug für das Worldwatch Institute, seinen diesjährigen „Bericht zur Lage der Welt“ zum Plädoyer für einen neuen Lebensstil der Nachhaltigkeit zu nutzen. Rund 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler setzen sich damit auseinander, wie dieser Begriff in Bildung, Wirtschaft, Medien und Politik mit Inhalt zu füllen ist. Während in der Klimadebatte gerne der Schwarze Peter zwischen Politik, Unternehmen und Verbrauchern hin- und hergeschoben wird, zeigt der Bericht einmal mehr: Nur mit einer gemeinsamen Anstrengung wird es möglich sein, einem grundlegenden Wandel des Konsumverhaltens zum Durchbruch zu verhelfen. Ohne den Staat, der die geeigneten Rahmenbedingungen schaffen muss, wird es nicht gehen. Dem trägt der Bericht mit einem eigenen Kapitel Rechnung, dessen einleitender Artikel sich unter anderem mit dem Widerspruch zwischen dem Bedarf nach Regulierung und dem Beharren des Konsumenten auf seiner Entscheidungsfreiheit auseinandersetzt. Ganz so einfach ist es sicher nicht, besser zu leben. Aber der vorliegende Bericht liefert wichtige Denkanstöße und Ideen.
(gwo)
Marc Thörner
Afghanistan-Code.
Eine Reportage über Krieg, Fundamentalismus und Demokratie
Edition Nautilus, Hamburg 2010,
156 Seiten, 16 Euro
Zwei Jahre lang hat der Journalist Marc Thörner in Afghanistan recherchiert. Seine Fahrten im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet, seine Gespräche mit Mullahs und Militärs, Warlords, Dorfältesten, Taliban und deutschen Polizeiausbildern ergeben ein differenziertes Bild. Er hinterfragt die Militäreinsätze und zeigt, wie die westlichen Streitkräfte miteinander verfeindete Fraktionen in Afghanistan unterstützt haben und wie sie zugleich eingespannt werden in Rivalitäten zwischen Machthabern. Aufbau der Demokratie und Kampf gegen den Terror lauten die Ziele, mit denen der Westen sein Engagement in Afghanistan begründet. Die beunruhigende Erkenntnis Thörners ist, dass das zivile Element dem militärischen Konzept unter- beziehungsweise zugeordnet ist. Für wen kämpft die Bundeswehr in Afghanistan? Was suchen die deutschen Truppen in einem Land, dessen innere Konflikte sie entweder nicht ganz überschauen oder im Interesse der Ausübung ihres Mandats ignorieren?
(dh)
Social Watch Deutschland
Globale Krisen. Soziale Auswirkungen – politische Konsequenzen.
Social Watch Deutschland Report 2009
72 Seiten, www.social-watch.de
Der Kollaps der Finanzmärkte und der Einbruch der weltweiten Wirtschaft haben die globale Ernährungs-, Gesundheits- und Klimakrise verstärkt. Diese Zusammenhänge, die menschenrechtlichen Folgen und die politischen Konsequenzen beleuchtet der aktuelle Social Watch Deutschland Report. Im ersten Teil liegt der Fokus auf den Auswirkungen der Krisen: In fast allen Ländern der Erde sind Armut und Arbeitslosigkeit gestiegen, die soziale Ungleichheit ist gewachsen. Zu den Leidtragenden zählen vor allem Kinder und Frauen. Der zweite Teil des Reports geht auf Lösungsansätze ein und stellt sowohl der Gemeinschaft der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, G-20, als auch den Vereinten Nationen, der Europäischen Union und der Bundesregierung ein schlechtes Zeugnis für ihr Krisenmanagement aus. Den Programmen zur Beendigung der Finanzkrise fehle die nötige Entschlossenheit, das globale Finanzsystem grundlegend zu verändern. Neue Formen zivilgesellschaftlichen Engagements werden im abschließenden Kapitel gefordert; nur so sei eine radikale Umkehr möglich. Vor allem dieser Text ist sehr lesenswert. Ein generelles Manko des Reports ist allerdings die schwer zu entziffernde Schrift.
(rt)


