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Wie Eliten Afrikas Wirtschaft zerstören

Moeletsi Mbeki
Architects of Poverty. Why African Capitalism Needs Changing
Picador Africa, Johannesburg 2009,
196 Seiten, 15 Euro


In Afrika gibt es keine Unternehmerklasse, schreibt Moeletsi Mbeki, und solange sich das nicht ändert, wird der Kontinent nicht auf die Beine kommen. Zu wenige sind bereit, Risiken zu übernehmen, Kapital zu investieren, Arbeitsplätze zu schaffen und etwas zu produzieren, um möglichst viel Geld zu verdienen und nebenbei die Wirtschaft voranzubringen. Lediglich eine unproduktive „Schmarotzer-Elite“ kassiert eine Rente aus dem Export von Rohstoffen oder aus Entwicklungshilfe und macht sich damit ein gutes Leben, während das Volk in Armut darbt.

Das ist schon oft geschrieben und gesagt worden – und während der Lektüre ist man immer wieder geneigt, dem klugen Mbeki, dem Bruder des früheren südafrikanischen Präsidenten, zu verübeln, dass er nicht mehr bietet. Erst im letzten Kapitel, das sich wie eine Einleitung liest und deshalb an den Anfang gehört hätte, erklärt er, er habe sich bewusst nur auf diesen einen Faktor für die afrikanische Misere konzentriert. Versöhnlich stimmt denn auch, wie treffsicher Mbeki die destruktive Rolle afrikanischer Eliten in Politik und Wirtschaft analysiert und kritisiert. Sie seien letztlich Produkte des Kolonialismus und des europäischen Kapitalismus und hätten jeglichen Bezug zum vorkolonialen Afrika verloren – anders als die Mächtigen in Ländern wie China, Vietnam oder Indien, die bei sich asiatische Formen kapitalistischer Wirtschaft installiert hätten.

Das mag sein, wirft aber eine neue Frage auf: Bei Mbeki liest es sich so, als seien die Afrikaner ein Volk verhinderter Unternehmer, die den Kontinent erblühen ließen, wenn man sie nur ließe. Was aber ist mit der These, dass es in Afrika traditionell eine Wirtschaft des „Genug“ gibt, während eine kapitalistische Wirtschaft des „Immer mehr“ , die auf Kapitalakkumulation und individuellen wirtschaftlichen Erfolg baut, auf kulturelle und sozio-ökonomische Hindernisse trifft? Schade, dass sich Mbeki dazu nicht äußert.

Lesenswert macht das Buch vor allem Mbekis Analyse der Entwicklung in Südafrika seit dem Ende der Apartheid. Danach war das Programm zur Förderung schwarzer Unternehmer (Black Economic Empowerment, BEE) nicht etwa eine Erfindung des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), um benachteiligte Bevölkerungsgruppen in die Wirtschaft zu bringen. Vielmehr habe die weiße Wirtschaftselite es sich kurz vor dem Ende der Apartheidregierung 1994 ausgedacht mit dem Ziel, so Mbeki, „die Führer der schwarzen Widerstandsbewegung für sich einzunehmen, indem man sie buchstäblich kaufte“.

Die schwarze Mittel- und Oberschicht habe sich das gern gefallen lassen und halte sich seitdem mit Hilfe von BEE an den Fleischtöpfen, während die armen Südafrikaner mit Sozialprogrammen abgespeist würden. Gleichzeitig habe die schwarze Führung das produzierende Gewerbe am Kap systematisch zerstört, indem sie den Markt für billige Konsumgüter aus Asien öffnete. Das sei nötig gewesen, um die unterbezahlten Arbeiter in den Kohle-, Gold- und Diamantenminen sowie die Sozialhilfeempfänger ruhig zu halten. Keine zwei Länder seien gleich, aber die Lage in Südafrika heute gleiche in vielerlei Hinsicht der in Algerien vor Ausbruch des fürchterlichen Bürgerkriegs 1992, lautet Mbekis düsteres Fazit.


Tillmann Elliesen

welt-sichten 05-2010