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Fairer Handel auf Erfolgskurs

Der Einstieg von Discountern sorgt für Kontroversen

Transfair expandiert weiter: Der Umsatz von Produkten mit dem Siegel, das Transfair für fair gehandelte Waren vergibt, ist 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent auf 142 Millionen Euro gestiegen. Das brachte Transfair Lizenzeinnahmen von 1,9 Millionen Euro ein. Zugleich wächst jedoch unter einigen Mitgliedern der Initiative die Sorge, ob die Marktausweitung den Kleinproduzenten tatsächlich zu Gute kommt.

Der Einstieg von Lidl in den Fairen Handel habe sich gut entwickelt. Durch diesen Schritt seien „neue Käuferschichten erschlossen“ worden, sagte Transfair-Geschäftsführer Dieter Overath Ende April auf einer Pressekonferenz in Bonn. Der von manchen befürchtete Glaubwürdigkeitsverlust sei nicht eingetreten. Die Kunden könnten sehr wohl unterscheiden zwischen dem Siegel auf den Waren und der Politik des Unternehmens, in dessen Regalen die Waren stehen, ergänzte Heinz Fuchs vom Evangelischen Entwicklungsdienst, der dem Vorstand von Transfair angehört. Seit dem Abschluss des Sondervertrages mit Transfair 2006 hat Lidl elf Produkte verschiedener Anbieter mit dem Fairtrade-Siegel in sein Sortiment aufgenommen. Der Konzern selbst ist kein Lizenznehmer.

Seit Anfang des Jahres bietet mit der Supermarkt-Kette Penny ein weiterer Discounter Transfair-Produkte an. Kritische Stellungnahmen dazu aus der Szene des Fairen Handels blieben dieses Mal aus. Die Vorbehalte gegenüber den Discountern seien aber nicht vom Tisch, betont Gerd Nickoleit vom Fair-Handels-Unternehmen gepa in Wuppertal. Der Faire Handel müsse die gesamte Vertriebskette und damit auch die Verkaufswege im Norden umfassen. Auch auf dem Fair-Trade-Kongress im November 2007 in Bonn hätten zahlreiche Teilnehmer die Einführung von Standards für den Verkauf im Norden gefordert.

Transfair-Mitglieder kritisieren die Markterweiterung

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und die Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend (aej), die als Gründungsmitglieder von Transfair in dessen Vorstand vertreten sind, stehen der Markt­erweiterung im Fairen Handel kritisch gegenüber. Die Kleinbauern könnten der steigenden Nachfrage teilweise schon gar nicht mehr nachkommen und sähen sich durch den Einstieg multinationaler Konzerne bedrängt, berichtet die entwicklungspolitische Sprecherin des BDKJ, Sussan Ipaktschi. „Da jetzt auch Unternehmen wie Nestlé oder Dole Produkte siegeln lassen, sehen wir die Partnerschaftlichkeit im Fairen Handel insgesamt bedroht.“ Auf der jüngsten Hauptversammlung sei bereits die Mitgliedschaft bei Transfair in Frage gestellt worden, sollten Richtlinien im Umgang mit multinationalen Unternehmen weiterhin ausbleiben.

Transfair will auf die Bedenken reagieren und hat laut seiner Pressesprecherin Claudia Brück inzwischen eine Präambel erarbeitet. Damit sollen sich neue Vertragsnehmer verpflichten, in ihrem Geschäftsgebaren die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO einzuhalten.


Bettina Stang

 


Spitzenreiter: Fair gehandelte Rosen haben den höchsten Marktanteil

Von gepa bis Tchibo sind mittlerweile rund 110 Unternehmen Lizenznehmer von Transfair. Sie dürfen das Fairtrade-Siegel für einen Teil ihrer Produkte nutzen. Die Einhaltung der Kriterien  – etwa, dass die Produzenten einen Mindestpreis sowie eine Solidarprämie erhalten – wird von der international tätigen und in Bonn ansässigen Fairtrade Labelling Organization (FLO) überprüft. Derzeit sind in Deutschlands Supermarktregalen 800 solcher mit dem international verbreiteten Fairtrade-Siegel versehenen Produkte zu finden. Neu dabei sind Eiscreme, Textilien und Ananas.

Spitzenreiter beim Marktanteil sind die Rosen: Zehn Prozent der aus dem Süden importierten Blumen sind mittlerweile als fair gesiegelt. In anderen Bereichen hinkt Deutschland nach Angaben von Transfair den Erfolgen in anderen europäischen Ländern hinterher.

In der Schweiz etwa haben fair gehandelte Bananen bereits einen Marktanteil von 50 Prozent. In Großbritannien haben Supermarktketten einzelne Produktbereiche bei Frischfrüchten ganz auf Fairtrade umgestellt.

(bs)

welt-sichten 6-2008