Grundlagen der indischen Afrikapolitik
Economic and Political Weekly (Mumbai, Nr.42/2008): Das Anfang April in Neu-Delhi veranstaltete India Africa Forum habe Indiens wachsendem Engagement in Afrika neuen Auftrieb verschafft und sei eine Bekräftigung der aufkeimenden Süd-Süd-Beziehungen, heißt es in großen englischsprachigen Zeitungen Indiens. Depak Malgha und Hema Swaminathan fragen sich, was „diese aufkeimenden Beziehungen den einfachen Indern und Afrikanern bringen“ werden.
Denn Indiens Afrikapolitik sei vornehmlich von geopolitischen Erwägungen wie der Sicherung des Zugangs zu den reichen Bodenschätzen des schwarzen Kontinents bestimmt. So habe Indien die Absicht, eine Milliarde US-Dollar in Angolas Ölsektor zu investieren, obwohl die Regierung Angolas als besonders korrupt gilt. Zudem wolle Indien die Stimmen der afrikanischen Staaten in verschiedenen internationalen Organisationen gewinnen, um beispielsweise einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu erhalten. In den Beziehungen zwischen Afrika und Asien werde der schwarze Kontinent weiterhin als Rohstofflieferant und Asien als globale Fabrik angesehen, die für den Konsumbedarf des Westens und zunehmend auch für den asiatischer Länder Güter und Dienstleistungen liefert. Dabei habe es in der jüngeren Geschichte Ansätze für gleichberechtigte, auf wechselseitigen sozialen Fortschritt ausgerichtete Beziehungen zwischen Indien und Afrika gegeben. So sei Mahatma Gandhi Anfang 1945 mit einer Gruppe von Westafrikanern zusammengekommen, um zu beraten, wie Indien und Afrika voneinander lernen und eine kooperative Industrialisierung erreichen könnten.
Auf der ersten Konferenz der blockfreien Staaten 1955 habe Indien vorbehaltlos die Forderung der unabhängig gewordenen Staaten Asiens und Afrikas unterstützt. Indiens erstem Staatschef Jawaharlal Nehru sei die Entwicklung dieser Länder ein echtes Anliegen gewesen. „Diesen humanistischen Geist vermisst man an der heutigen indischen Staatskunst schmerzlich“, schreiben Depak Malgha und Hema Swaminathan.
Karl Otterbein
