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Rückkehr ausgeschlossen

Die Lage der Flüchtlinge aus dem Irak wird immer verzweifelter

Mit dem Schicksal von Flüchtlingen aus dem Irak befasste sich eine ökumenische Delegation, die im April den Libanon und Syrien bereiste. Zum Auftakt wurden die Kirchen bei einer Anhörung in Beirut aufgefordert, entschieden für den Schutz und die Rechte von Migranten einzutreten. Auf zunehmende Migration als Folge der Globalisierung dürfe nicht mit Angst und Hysterie reagiert werden.

Im Mittelpunkt der Reise stand die Situation in Syrien, das sich für seine Politik der offenen Grenzen rühmt und in den vergangenen Jahren mit 1,5 Millionen Menschen die meisten Flüchtlinge aus dem von Gewalt zerrütteten Nachbarland aufgenommen hat. Für den Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Samuel Kobia, kann Syrien deshalb als Modell dafür dienen, „wie Menschen verschiedener Religionen als Volk Gottes zusammenleben können“.

Syriens Großmufti Ahmad Badr Al-Din Hassoun erklärte mit Blick auf diejenigen, die Asyl in westlichen Ländern suchen: „Wir haben irakischen Christen gesagt: Bitte geht nicht. Hier seid ihr Teil unserer Familie, dort werdet ihr nichts als Nummern sein.“ Samer Laham, Direktor für ökumenische Beziehungen im Griechisch-Orthodoxen Patriarchat Syriens, wies jedoch darauf hin, dass viele Flüchtlinge Syrien verlassen wollten, „weil sie hier nur sehr schwer Arbeit finden und wegen der steigenden Lebenshaltungskosten schnell kein Geld mehr haben.“

Die Lage irakischer Flüchtlinge wird auch nach Ansicht von Caritas international „zusehends hoffnungsloser“. Nach Jahren auf der Flucht lebten Hunderttausende von ihnen illegal und weitgehend mittellos in den Nachbarländern des Irak, so das katholische Hilfswerk. Viele seien Christen, für die eine Rückkehr in den Irak lebensgefährlich sei. Nach Angaben von Caritas international haben inzwischen die Hälfte der 1,2 Millionen vor 2004 im Irak lebenden Christen das Land verlassen.

Pro Asyl, der Bayerische Flüchtlingsrat und weitere Organisationen haben deshalb eine Unterschriftensammlung gegen Abschiebungen in den Irak und gegen den Widerruf des Asylrechts für Iraker gestartet. Die Unterschriften sollen im Sommer dem Bundestag, dem Bundesinnenministerium sowie der Innenministerkonferenz übergeben werden.

Auf die besondere Situation der Christen in der Region geht die Erklärung, die auf der öffentlichen Anhörung in Beirut im Namen des ÖRK und des Kirchenrates des Nahen Ostens verabschiedet wurde, nur am Rande ein. Sie hebt stattdessen den „guten Willen“ hervor, den muslimische und christliche Gemeinden und Religionsführer im Libanon gegenüber den Flüchtlingen zeigten. Dies sei angesichts der öffentlichen Debatte über Migration, die weltweit oft fremdenfeindliche Züge trage, ein wichtiges Zeichen.


Bettina Stang

www.fluechtlingsrat-bayern.de/irak.html

welt-sichten 6-2008