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Tatort Klimawandel

Bernhard Pötter
Tatort Klimawandel. Täter, Opfer und Profiteure einer globalen Revolution
oekom Verlag, München 2008,
261 Seiten, 19,90 Euro


Bernhard Pötter vermittelt in seinem Buch einen Eindruck von der Breite der Probleme, die mit dem Klimawandel verbunden sind. Er besucht Verursacher des Klimawandels wie Ölunternehmen, Kohlekraftwerke und Flugzeugbauer und besichtigt den Autoverkehr in Los Angeles. Auf der Suche nach zu erwartenden Folgen der Erderwärmung fährt er in die Alpen und an den Amazonas, zu Klimaflüchtlingen in Asien und schaut in die Bilanzen von Versicherungen. Er erkundet Lösungs- und Anpassungsmaßnahmen vom Ausbau der Atomkraft über die Erhöhung der Deiche in den Niederlanden bis zum Emissionshandel und der Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CCS).

Pötter kommt zu einigen originellen Beobachtungen. So der, dass große Ölkonzerne ungeachtet ihrer Bemühungen um ein grünes Image der Strategie folgten, kaum in erneuerbare Energien zu investieren, sondern kleinere Firmen, die hier technische Durchbrüche erzielen, gegebenenfalls aufzukaufen. Wichtig ist auch der Hinweis, dass das Prinzip der journalistischen Ausgewogenheit - man stellt beide Seiten dar, wo man sich in wissenschaftlichen Fragen kein Urteil zutraut - den unseriösen Leugnern des Klimawandels zu Einfluss verholfen hat.

Leider stellt aber auch Pötter oft Impressionen und Einschätzungen nebeneinander, ohne sich tiefer damit auseinanderzusetzen. Beim CCS zum Beispiel fehlen harte Fakten und Analysen für ein klares Urteil. Die Frage, was man tun kann und soll, beantwortet er indirekt mit dem Verweis darauf, dass die Zerstörung der Ozonschicht mit einem globalen Vertrag gerade noch verhindert werden konnte. Den grundlegenden Unterschied zum Klimaproblem übersieht er dabei: Die ozonschädlichen Substanzen konnten ohne hohen technischen Aufwand durch andere, leicht verfügbare ersetzt werden. Für Kohle, Öl und Gas gilt das leider nicht. Am Ende lässt Pötter mit seinem skeptischen Erzählton viele Fragen nach einer sinnvollen Klimapolitik unbeachtet.


(bl)

welt-sichten 06-2009