Wir bauen Europa neu
Attac (Hg.):
Wir bauen Europa neu. Wer baut mit?
Residenz Verlag, St. Pölten-Salzburg 2009,
224 Seiten, 17,90 Euro
Ein Afrikaner besucht im Jahre 2050 die Europäische Union, wo er 40 Jahre vorher unter äußerst schwierigen Bedingungen studiert hat. Er kann seinen Augen nicht trauen, als er in Sizilien statt grauenhafter Sammellager für Bootsflüchtlinge die prächtigen Olivenhaine glücklicher Bauern vorfindet, die dank der Abschaffung der Agrarsubventionen und eines direkten Finanzausgleichs zwischen armen und reichen Regionen vernünftig wirtschaften können. An den europäischen Universitäten trifft der staunende Besucher auf tausende afrikanische Studierende, die geholt werden, damit sie ihre Länder voranbringen und aus der erniedrigenden Lage der Almosenempfänger befreien.
Kurz bevor der Lissabon-Vertrag im kommenden Herbst bei einem zweiten Referendum in Irland angenommen oder endgültig gekippt wird, entwerfen die Autorinnen und Autoren eines von Attac Österreich herausgegebenen Sammelbandes die Utopie eines neuen, demokratischeren, ökologischeren, friedlicheren Europa. Es drückt den armen Regionen der Welt keine ungleichen Freihandelsabkommen mehr auf. Statt dessen bestimmt fairer Handel die Austauschbeziehungen. Das Prinzip der Nahversorgung und der regionalen Wirtschaftskreisläufe setzt sich gegenüber der Wachstums- und Freihandelsideologie durch.
Neben schönen Utopien enthält der Band auch handfeste und letztlich notwendige Alternativen zur gegenwärtigen Politik, die von so namhaften Autoren formuliert wurden wie dem Völkerrechtler und UN-Sonderbeauftragten gegen die Folter Manfred Novak oder der prominenten Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb. Angesichts der Sinnkrise des herrschenden Systems, die noch viel zu wenig thematisiert wird, wirken die nicht mehr ganz neuen Thesen zur Umgestaltung der Finanzmärkte oder zur Herstellung der Steuergerechtigkeit in Europa erfrischend. Sie sind jedenfalls der Diskussion wert.
(rld)
