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welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

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Kurzrezensionen

Peter Meyns (Hg.)
Handbuch Eine Welt. Entwicklung im globalen Wandel
Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2009
243 Seiten, 17,90 Euro


Dieses Handbuch ist ein Kompendium weltweiter Zusammenhänge. Es eignet sich für Einsteiger ins Thema Entwicklungspolitik und verschafft zugleich einen Überblick darüber, was in den nächsten Jahrzehnten auf die Welt zukommt. Und es erklärt, weshalb die Lage nicht sonderlich rosig ist. Was bedeutet Entwicklung und wie hat sich das Nachdenken darüber verändert? Was passiert, wenn Staaten ihre Bürger nicht schützen oder versorgen können? Wie funktioniert die Weltwirtschaft und wie viele Menschen werden in Zukunft in Städten leben? 25 namhafte Autorinnen und Autoren skizzieren Antworten auf diese Fragen. Sie machen deutlich, dass es keine einfachen Erwiderungen gibt auf Fragen nach effizienter Nahrungsmittelproduktion, dem richtigen Bildungssystem oder nach Lösungen für die globalen Umweltprobleme. Kurze historische Abrisse liefern Hintergründe und führen zu den Problemen von heute und morgen. Es ist wohl den fachlichen Debatten geschuldet, dass mancher Text nicht gerade arm ist an sperrigen Begriffen; immerhin werden sie erläutert. Zur weiteren Orientierung im Labyrinth entwicklungspolitischer Themen  liefert das Handbuch am Ende jedes Kapitels praktische Literaturhinweise und Internetadressen.

(fe)



Stefan Kreuzberger
Die Ökolüge.
Wie Sie den grünen Etikettenschwindel durchschauen.
Econ-Verlag, Berlin 2009, 288 Seiten, 16,90 Euro


„An allem ist zu zweifeln“ – dieses Zitat von Karl Marx stellt der Journalist und Politikwissenschaftler Stefan Kreuzberger seinem Buch voran. Und er folgt ihm programmatisch. In vier Haupt- und zahlreichen Unterkapiteln nimmt er alles unter die Lupe, was einen gesundheitsbewussten, fairen und umweltfreundlichen Lebensstil verspricht. Ökostrom, Agrotreibstoffe, CO2-Kompensation, Bio-Lebensmittel, fairer Handel und grüne Geldanlagen: kritisch analysiert Kreuzberger die Versprechen der Anbieter und erklärt, was im Einzelnen davon zu halten ist. Detailreich überführt er Unternehmen wie die Energieversorger E.ON und RWE sowie den Chemiekonzern Bayer des „Greenwashing“. In seinem verständlich und anschaulich geschriebenen Buch wiederholt Kreuzberger zwar auch hinlänglich bekannte Erkenntnisse wie die schädlichen Folgen des Anbaus von Energiepflanzen zur Spritgewinnung. Dafür erhärtet er faktenreich den Verdacht, dass viele der zahlreichen Angebote auf dem rasant wachsenden Markt zur Kompensation von Kohlendioxid etwa bei Flugreisen nur der Beruhigung des Gewissens dienen, nicht aber der Rettung des Klimas. Kreutzberger gelingt es stets überzeugend, das Verhalten der Verbraucher im Norden mit seinen Auswirkungen auf die Lebensbedingungen im Süden zu verknüpfen. Verdienstvoll ist auch seine Analyse der diversen Bio- und Fair-Siegel, die eine Orientierungshilfe sein wollen, aber für mehr Unübersichtlichkeit sorgen.

Um angesichts seiner Rechercheergebnisse keine Resignation aufkommen zu lassen, hat Kreuzberger für jeden Bereich zahlreiche Verbrauchertipps parat. In der Regel sind sie hinlänglich bekannt wie Energie sparen, häufige Flugreisen vermeiden und weniger Fleisch essen. Dennoch: Wer Nachhaltigkeit und globale Verantwortung ernst nimmt und Antworten auf kritische Fragen haben möchte, ist mit seinem Buch bestens bedient.

(gwo)

welt-sichten 06-2010