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welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

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Zu einfache Einsichten

Lena Bledau
Lula da Silva – Anwalt der Armen?
Brasiliens Position in der Welthandelspolitik
Tectum Verlag, Marburg 2009,
156 Seiten, 24,90 Euro


Die wachsende Wirtschaftsmacht Brasilien macht zunehmend auch auf politischer Ebene ihren Einfluss geltend. Doch inwieweit spielt das Land den uneigennützigen Anwalt der armen Entwicklungsländer in ihrem Kampf um Weltmarktanteile? Oder stehen doch nur nationale Interessen im Vordergrund? Anhand von fünf Fallbeispielen, deren Darstellung zu den stärkeren Seiten der Studie gehört, untersucht die Autorin, ob Brasiliens Politik primär machtpolitische, ökonomische oder auch altruistische Ziele verfolgt.

Sie beleuchtet Brasiliens Verhalten gegenüber der Welthandelsorganisation WTO und dem Staatenverbund MERCOSUR, gegenüber Bushs gescheiterter Idee, eine Freihandelszone von Alaska bis Feuerland (FTAA) einzurichten, sowie Brasiliens Politik gegenüber afrikanischen Ländern. Laut ihren Erkenntnissen hat sich Brasilien aus Furcht vor Machtverlust und weniger aus ökonomischen Gründen gegen die FTAA zur Wehr gesetzt. Gegenüber Afrika vertrete das Land eine altruistische Entwicklungspolitik ohne eigene Interessen.

Wirklich? Die wichtigste Erkenntnis, die Bledau aus ihrer mit wissenschaftlichem Anspruch geschriebenen Untersuchung zieht, lautet: „Brasilien baut die Süd-Süd-Kooperation aus, um eine Abhängigkeit von den Industrieländern zu vermeiden“. Ihre Rolle als Sprecher der Armen helfe der brasilianischen Regierung, die relative Macht gegenüber den Industrieländern zu vergrößern. Der Anwalt der Armen ist nur gespielt, begreifen wir, auch dass es Brasilien um Machterweiterung gegenüber den Industrieländern geht. Aber ist Brasilien derzeit von ihnen unabhängig? Zutreffender wäre sicher das Bild von einer Welt mit zunehmenden wechselseitigen Abhängigkeiten.

Zum Schluss wagt Bledau eine Empfehlung an die deutsche Politik: „Brasilien sollte als Wirtschaftsstandort und damit als wichtiger Handelspartner für Deutschland/EU betrachtet werden.“ Wer könnte ihr da widersprechen? Das Buch behandelt zweifellos ein wichtiges Thema. Doch die teilweise zu simplen Einsichten, gepaart mit stilistischen Mängeln, machen es schwer, das Werk zu empfehlen.


Werner Würtele

welt-sichten 06-2010

 

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Wolfgang Bledau schrieb am 08.11.2010 um 22:26:36
Hallo Werner W?rtele, Sie haben leider die Zeit verpasst, Ihr Kommentar wirkt etwas veraltet. Vorbei sind die Zeiten, als Brasilien als Entwicklungsland noch Bittsteller bei den Weltm?chten war. L?ngst hat der Riesenstaat eine einflussreiche Stimme auf internationalen Handelsforen. Dabei beschreitet Brasilien einen neuen Weg: Nicht ausschlie?lich Industriel?nder werden als Handelspartner umworben, sondern auch attraktive Schwellenl?nder. Und die Regierung unter Staatschef Lula da Silva legt sich wenn n?tig ungeniert mit den Regierungen der westlichen Staaten an und hinterfragt die Zweckm??igkeit etablierter Abkommen. Lula da Silva proklamiert sich als der Sprecher der Armen und fordert eine gerechtere Welthandelsordnung. Mit Verweis darauf ignoriert er etwa das Abkommen ?ber geistige Eigentumsrechte und l?sst in Brasilien Generika herstellen. Riskiert er bei derartigen Verst??en oder der Verz?gerung von Gespr?chen innerhalb der Doha-Entwicklungsrunde auch wirtschaftliche und machtpolitische Verluste? Lena Bledau fragt nach. Sie untersucht Brasiliens Positionen in der Welthandelsorganisation WTO, der gesamtamerikanischen Freihandelszone FTAA, im Verh?ltnis des s?damerikanischen Binnenmarktes Mercosur zur EU, im IBSA Dialog Forum und die Entwicklungspolitik in Afrika.

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