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Drache und Bär in Afrika

Pambazuka News (London/Kapstadt, 18.6.08): Der elektronische Wochendienst zur „sozialen Gerechtigkeit in Afrika“ hat das wirtschaftliche Engagement Russlands in Afrika, das eher geopolitisch ausgerichtet sei, mit dem diplomatisch zurückhaltenden Vorgehen Chinas verglichen. Während die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf Chinas wachsenden Einfluss in Afrika gerichtet sei, verstärke Russland im Stillen seine Umarmungsstrategie. Auf den ersten Blick gebe es allerdings deutliche Parallelen. Beide Länder haben im Kalten Krieg unter ideologischen Vorzeichen freundschaftliche Beziehungen zu Afrika gepflegt; Beispiele dafür sind russische Unterstützung für den Bau des Assuan- Staudamms, Hilfe aus China für die Tazara-Eisenbahn in Sambia und Tansania sowie die zahlreichen in China und der Sowjetunion ausgebildeten afrikanischen Akademiker. Beide Länder wollten nun diese Beziehungen auf eine kommerzielle Basis stellen.

Auch wenn der russische Handel mit afrikanischen Ländern zuletzt einen deutlichen Aufschwung verzeichnete, reiche er mit einem Umfang von 3 Milliarden Euro bei weitem nicht an den Chinas heran. Große russische Energiekonzerne hätten sich mit zweistelligen Milliardenbeträgen bei Erdöl- und Bergbauunternehmen in Algerien, Angola, der Elfenbeinküste, Nigeria und Südafrika eingekauft. Zudem engagiere sich der russische Finanzsektor verstärkt in Afrika. So habe in Luanda Angolas erste Auslandsbank eröffnet, an der eine russische Bank mit 66 Prozent beteiligt ist. In Nigeria habe die russische Renaissance-Kapitalgruppe inzwischen eine Beteiligung von 25 Prozent an der Eco-Bank, die nach eigenen Angaben 270 Niederlassungen in 22 Ländern hat.

Auch wenn Russland und China beide vornehmlich an Afrikas Bodenschätzen interessiert seien, bestehe doch ein grundlegender Unterschied in der konkreten Außenhandelspolitik: „Während das Hauptmotiv der Chinesen in ihrem hohen Bedarf an Rohstoffen für die sprunghaft wachsende Industrie liegt, ist Russland selbst ein wichtiger Rohstoffexporteur. In der Tat verschaffen gerade die steigenden Rohstoffpreise, die zum Teil auf die wachsende chinesische Nachfrage zurückgehen, Russland die Geldmittel, um afrikanische und auch globale Beteiligungen zu erwerben.“ Die reichen russischen Erdölkonzerne wollten offenbar trotz ihrer hohen Reserven ihre globale Rolle ausbauen. Nach Auffassung von Analysten gebe es noch ein weiteres Motiv für diese Investitionsstrategie: indem man die Konzerne unter anderem in Afrika und damit außerhalb der Reichweite des Kremls ausbaue, sichere man sich gegen mögliche politische Veränderungen in Russland ab.

welt-sichten 7-2008