Frauen im Krieg
Rita Schäfer
Frauen und Kriege in Afrika.
Ein Beitrag zur Gender-Forschung
Brandes & Apsel, Frankfurt a.M. 2008
520 Seiten, 39,90 Euro
Rita Schäfer, eine Ethnologin mit langjähriger Forschungserfahrung
vor allem im südlichen Afrika, hat
ein bemerkenswertes Buch geschrieben. Es fügt der
umfangreichen Literatur über Kriege und Bürgerkriege
im subsaharischen Afrika ein wichtiges Kapitel
hinzu. Zentrales Thema ihrer Untersuchung sind Geschlechterbeziehungen
und die vielfältigen Formen
männlicher Gewalt gegen Frauen als Bestandteil von
Kriegstaktiken. Um die unterschiedlichen Rollen zu
erfassen, die Frauen und Männer in Kriegssituationen
einnehmen, behandelt Schäfer in jeweils separaten
Kapiteln 15 Länder, in denen in den vergangenen
Jahrzehnten Unabhängigkeitskämpfe oder Bürgerkriege
stattgefunden haben.
Jedes Kapitel folgt dem klassischen Dreiklang von Konfliktanalysen (Ursache, Verlauf und Lösung) und fragt für jede Phase nach den Gender-Dimensionen sowie nach dem Anteil der Kolonialmächte an späteren Konfliktkonstellationen. Aus den sehr unterschiedlichen Fällen zieht Rita Schäfer den Schluss, dass Gewalthandlungen gegen Frauen nicht als Exzesse einer wild gewordenen Soldateska zu begreifen sind, sondern „sexualisierte Gewalt zur Kriegstaktik zählte und systematisch angewandt wurde. Mit Vergewaltigungen und Massenvergewaltigungen von Frauen und Mädchen der jeweiligen Gegner wollte man deren sozialen Zusammenhalt gezielt untergraben und die Männer der ‚Feindesgruppe’ als Versager verhöhnen.“ Auch in ideologisch motivierten Unabhängigkeitsbewegungen war das Verhältnis zwischen Männern und Frauen durchweg ungleich. Selbst dort, wo im Unabhängigkeitskampf die Emanzipation von Frauen Teil der politischen Strategie war, wie in Eritrea und Mosambik, setzen sich in Nachkriegsgesellschaften doch wieder patriarchalische Gender-Beziehungen durch. Ehemalige Kombattantinnen werden nicht selten als Prostituierte verunglimpft und an den Rand der Gesellschaft gedrängt.
Die Lektüre des Buches ist anstrengend, zumal die Darstellungsform zwangsläufi g zu Widerholungen führt. Es ist eher als Handbuch zu benutzen, das kapitelweise gelesen wird. Bei der Mammutaufgabe, die Rita Schäfer mit eindrucksvoller Verarbeitung von Sekundärquellen bewältigt hat, kann es auch nicht ausbleiben, dass kritische Fragen auftauchen. So werden die engagierten Frauen und Männer im Gender-Ministerium in Uganda nicht glücklich darüber sein, dass ihre Anstrengungen, Geschlechtergerechtigkeit zu fördern, darauf reduziert werden, „Frauenorganisationen für Regierungsinteressen zu vereinnahmen“.
Bei einem so breit angelegten Buch sind solche überspitzten Verallgemeinerungen wohl nicht immer zu vermeiden. Außer Frage steht indessen der Wert des Buches für die Diskussion über Kriege und Bürgerkriege in Afrika. Es wird als Referenzband für künftige Studien über Gender-Beziehungen an Kriegsschauplätzen dienen.
Peter Meyns
