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Gute Noten – gutes Geschäft

Fehlurteile der Rating-Agenturen verschärfen Finanzkrisen

Rating-Agenturen benoten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten und das Risiko von Finanzprodukten wie Anleihen oder Fonds. Ihr Profitinteresse verleitet sie dazu, ihre Kunden möglichst gut zu bewerten – mit der Folge, dass Firmenpleiten und Finanzkrisen dann umso heftiger ausfallen. Es ist deshalb höchste Zeit, die Agenturen stärkeren Kontrollen zu unterwerfen.

Die drei Branchenführer Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch Ratings haben sowohl die Asienkrise vor zehn Jahren als auch große Firmenpleiten wie die des USEnergiekonzerns Enron oder der Telefongesellschaft WorldCom verschlafen. Zuletzt haben die Agenturen viel zu lange die Warnhinweise auf den Märkten für riskante Hypothekenkredite (Subprime Market) ignoriert. Erst als längst klar war, dass viele dieser Kredite notleidend werden würden, stuften sie die bis dahin bestens benoteten Subprime-Papiere auf einen Schlag stark herunter. So haben sie die Krise zusätzlich verschärft, statt sie mit rechtzeitigen Korrekturen zu dämpfen.

Die Hauptursache ihres Versagens ist das Geschäftsmodell der Agenturen: Für die Ratings bezahlen die zu prüfenden Firmen und Länder selbst. Sie brauchen die Benotung für den Zugang zu den Kapitalmärkten. Die Agenturen haben also ein geschäftliches Interesse daran, ihren Kunden oder deren Produkten gute Noten auszustellen, damit sie nicht zur Konkurrenz wechseln.

Die Subprime-Krise hat verdeutlicht, dass sich das Profitinteresse der Rating-Agenturen mit ihrer Prüftätigkeit nicht verträgt: Anleihen und Fonds, die auf Hypothekenkrediten beruhen, sind sehr schwer zu bewerten, die Prüfungen sind entsprechend teuer. Die Agenturen haben deshalb an diesen riskanten Finanzprodukten prächtig mitverdient. Um das Geschäft am Laufen zu halten, haben sie die Investmentbanken, die solche Anleihen und Fonds ausgeben, bei der Entwicklung der Papiere sogar beraten. Sie haben also Produkte benotet, die sie selbst mit entwickelt hatten.

Auf die zunehmende Kritik von Regierungen, der EU-Kommission und Börsenaufsichtsbehörden haben die Rating-Agenturen mit einer Verschärfung ihres Verhaltenskodexes reagiert. Das reicht aber nicht. Der vier Jahre alte Kodex ist freiwillig und hat bislang nicht viel genützt. Die drei Branchenführer sind mit ihrer Marktmacht in den Finanz- und Unternehmenskrisen der vergangenen Jahre nicht sehr verantwortlich umgegangen. Sie müssen deshalb streng öffentlich kontrolliert werden. Oder ihre Macht muss gebrochen werden, indem man öffentlich finanzierte, nicht profitorientierte Alternativen schafft.


(ell)

welt-sichten 7-2008