Kirchen in Afrika verschaffen sich Gehör
Mehr Mitsprache in der staatlichen Entwicklungshilfe gefordert
Die beiden großen Kirchen in Afrika fordern eine stärkere Beteiligung der Zivilgesellschaft an staatlichen Entwicklungsprogrammen afrikanischer Länder. Das geht aus einem Positionspapier zur Effektivität der Entwicklungshilfe hervor, das der Allafrikanische Kirchenrat (AACC) gemeinsam mit der katholischen Bischofskonferenz SECAM Ende Mai in Nairobi verabschiedet hat.
Auf die katholischen und protestantischen Kirchen in Afrika entfällt ein erheblicher Anteil der Bildungs-, Gesundheits- und ländlichen Entwicklungsarbeit in ihren Ländern. „Keine andere nichtstaatliche Gruppe leistet einen annähernd vergleichbaren Beitrag zur sozialen Entwicklung“, erklärte der ghanaische Bischof Robert Aboagye-Mensah auf einer Konferenz in Nairobi, bei der das Positionspapier formuliert wurde. Als Gegenleistung wollen die Kirchen von ihren Regierungen künftig stärker an Entscheidungen beteiligt werden. Bislang gewährten die nationalen Regierungen den Akteuren der Zivilgesellschaft nur wenig politischen Handlungsspielraum, beklagen die Bischöfe in ihrem Papier.
Die Konferenz von SECAM und AACC sollte zu einer gemeinsamen Position beider Kirchen in der globalen Debatte über die Effektivität von Entwicklungshilfe beitragen. Laut Peter Lanzet, der für den Evangelischen Entwicklungsdienst an der Konferenz teilnahm, ist das aber nur bedingt gelungen. Er hätte sich aus Nairobi „konkretere Forderungen für Accra“ gewünscht. In der ghanaischen Hauptstadt findet im September eine internationale Konferenz zur so genannten Paris-Erklärung für mehr Effektivität in der Entwicklungszusammenarbeit statt.
Die Bischöfe kritisieren in ihrem Positionspapier, dass laut Statistiken der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)die Hälfte aller Hilfszahlungen von den Gebern gelenkt und an die Vermittlung technischer Hilfe geknüpft werde. Anstelle nachhaltiger Entwicklung werde oft einer passiven Nehmerhaltung Vorschub geleistet.
Besonders besorgt äußerten sich die Bischöfe darüber, dass die Abhängigkeit der kirchlichen Programme von staatlichen Gebern im Norden immer größer werde: „Die afrikanischen Kirchen“, so Lanzet, „haben erkannt, dass sich ihre Partner in Europa und Amerika zur Deckung ihrer Budgets immer häufiger an ihre Regierungen wenden müssen, da das Spendenaufkommen stagniert oder sogar zurückgeht.“ Die kirchlichen Entwicklungsorganisationen seien immer öfter gezwungen, Geld für ein von den staatlichen Gebern bestimmtes Programm zur Verfügung zu stellen – auch wenn ihre Partner im Süden andere Prioritäten formuliert haben.
Bettina Stang
