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UNCTAD XII : Neues Entwicklungsmandat?

Economic and Political Weekly (Neu-Delhi, 13.6.2008): Die 1964 gegründete Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung UNCTAD habe bis Anfang der 1990er Jahre ihr Mandat abweichend von der Hauptströmungen des wirtschaftlichen Denkens vor allem im Sinne der Dritten Welt ausgeübt, schreiben Linu Mathew Philip und Karthy Nair. Es sei ihr vorrangig um die Schaffung eines gerechten Welthandelssystems sowie eine Förderung der Süd-Süd-Kooperation gegangen. Nicht zuletzt geht auf die UNCTAD die Gründung der durchaus einflussreichen G 77 zurück, in der sich die Entwicklungsländer zusammengeschlossen haben. Nach Ansicht der am Center for Trade and Development in Neu-Delhi beschäftigten Autoren hat sich zuerst 1992 auf der Cartagena- Konferenz ein grundlegender Wandel gezeigt, als die Länder des Nordens die UNCTAD-Diskussionen von den Verhandlungen über Welthandelsregeln in der Uruguay-Runde abkoppelten und sie auf Konsensbildung beschränkten. Seitdem habe die UNOrganisation weiter an Eigenständigkeit verloren. Auf der zwölften Ministerkonferenz der UNCTAD Ende April in Accra sei eine Neuausrichtung angestrebt worden: Die Konferenz forderte in ihrem Abschlussdokument einen gerechten Vorteilsausgleich hinsichtlich der Globalisierungsfolgen, die Stabilisierung der Rohstoffpreise und Maßnahmen gegen den Klimawandel.

Für problematisch hinsichtlich der Stärkung des Entwicklungsmandates halten die Autoren allerdings die Finanzierung der UNCTAD. 1972 seien noch 90 Prozent der Ausgaben vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen und nur 7 Prozent über Treuhandfonds der Geber finanziert worden. Bis 2006 habe sich das Verhältnis umgekehrt, was mit einem wachsenden Einfluss der Geber verbunden sei. Von den freiwilligen Beiträgen kämen nur etwa 11 Prozent aus Entwicklungsländern, zumal wirtschaftlich stärkere Staaten wie Brasilien, China oder Indien weniger als Pakistan und Bangladesch zahlten.


Karl Otterbein

welt-sichten 7-2008