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welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

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Kluge Kommentare zur Weltordnung

Fareed Zakaria
Der Aufstieg der Anderen
Das postamerikanische Zeitalter
Siedler-Verlag, München 2009,
304 Seiten, 22,95 Euro


Wer den US-amerikanischen Fernsehsender CNN sieht, kennt Fareed Zakaria, der dort seine eigene Sendung hat. Wie der ARD-Wissenschaftsredakteur Ranga Yogeshwar ist er ein intellektueller Medienstar mit indischem Migrationshintergrund. Nur geht es ihm nicht um Quarks, sondern um  politisches Denken. Im Hauptberuf ist er Chefredakteur von Newsweek. Die gescheiten Kolumnen des Harvard-Dozenten finden sich in allen großen US-Zeitungen.

Mit diesem Band will Zakaria der Hoffnung auf  Barack Obamas neues System internationaler Beziehungen Ausdruck geben und eine breite amerikanische Öffentlichkeit auf den Aufstieg neuer Partner – insbesondere Indiens und Chinas – und auf die Notwendigkeit von Konzepten einer neuen Weltordnung einstimmen. Zwar ist bekannt, dass etwa die Strukturen der Vereinten Nationen oder das Prozedere des Kyoto-Protokolls nicht den Anforderungen einer solchen Ordnung entsprechen. Aber es muss offenbar immer wieder deutlich gemacht werden. Dass Zakaria dabei China primär als Herausforderer und Indien als natürlichen Verbündeten einordnet, mag man seiner Herkunft zugute halten. Der Leser erfährt nicht nur etwas über Kernaufgaben der neuen Epoche, sondern auch über den gesamten historischen Kontext. Man kann hier nebenbei lernen, dass das kleinste von hunderten Schiffen des Admirals Zhang He schon wesentlich größer und seetüchtiger war als die Santa Maria seines Zeitgenossen Christoph Kolumbus und warum China dennoch nicht zur Kolonialmacht geworden ist, obwohl oder weil Europa damals aus 500 meist kleinen Staatsgebilden bestand, während in Asien große Landreiche existierten. Thematisiert werden auch der Einfluss der Kolonialgeschichte auf die globalen Strukturen, die Bedeutung der Differenz der Kulturen und der Terrorismus, der zu einer Gefahr für die Aufgeschlossenheit und Liberalität der USA geworden ist.

Das Buch hat weltweit sehr gute Kritiken erhalten. Wer kluge Kommentare eines welterfahrenen Obama-Anhängers kennenlernen möchte, dem sei dieser Band uneingeschränkt empfohlen. Die sprachlich kultivierte Übersetzung von Thorsten Schmidt trägt zum Lesevergnügen bei.


Manfred Kulessa

welt-sichten 07-2009