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welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

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Kurz notiert

Die freiwilligen Beiträge von Schweizern zur CO2-Kompensation steigen – trotz Wirtschaftskrise, die auch die Reisebranche erfasst hat. Die Nonprofit-Organisation myclimate aus Zürich berechnet Auto-, Flug- oder Heiz-Emissionen von Unternehmen und Privatpersonen und unterstützt mit deren Kompensationszahlungen Klimaschutzprojekte. Wer von Zürich nach New York und zurück fliegt, ist laut myclimate für den Ausstoß von 2,6 Tonnen CO2 verantwortlich. Es kostet 96 Franken (63 Euro), diesen Ausstoß durch die Unterstützung eines Projekts in einem Entwicklungsland zu kompensieren. Mit dem Geld fördern Partnerorganisationen von myclimate zum Beispiel Biogasanlagen in Nepal oder einen Windpark in Madagaskar.

Die freiwilligen Zahlungen sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2007 sind bei myclimate 3,5 Millionen Franken (2,3 Millionen Euro) eingegangen, viermal so viel wie im Vorjahr. Mit dem Geld wurden über 100.000 Tonnen CO2 kompensiert. 2008 schwächte sich das Wachstum zwar ab, der Betrag hat sich gegenüber dem Vorjahr jedoch verdoppelt. Und selbst für 2009 rechnet myclimate mit einer Zunahme um 50 Prozent. Die Reiseveranstalter bestätigen den Trend, dass Reisebuchungen in der derzeitigen Krise zwar stagnieren, der Anteil der Kunden aber, die ihre CO2-Emissionen ausgleichen wollen, wächst – wenn auch auf immer noch niedrigem Niveau: Weniger als zehn Prozent der Schweizer Flugreisenden haben im vergangenen Jahr die von ihnen verursachten Emissionen ausgeglichen.

(IS)


Die kirchlichen Hilfswerke in der Schweiz haben 2008 trotz der Wirtschaftskrise mehr Spenden erhalten als im Vorjahr. Fastenopfer verzeichnete einen Gesamtertrag von rund 23,1 Millionen Franken (15,1 Millionen Euro). Gegenüber 2007 stiegen die Einnahmen um 35.000 Franken. Ohne den Zuschuss der staatlichen Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), der 2008 kleiner war als im Vorjahr, liegt der Ertrag sogar rund 670.000 Franken höher als 2007. Das Hilfswerk Brot für alle nahm 16,5 Millionen Franken (10,8 Millionen Euro) ein. Davon waren 12 Millionen Franken Spenden, rund 580.000 Franken mehr als im Vorjahr. Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS) verzeichnete einen Zuwachs von 2,6 Millionen Franken.

Die Krise habe sich auf die Spenden nicht negativ ausgewirkt, sagte Beat Dietschy, der Zentralsekretär von Brot für alle. „Im Gegenteil: Möglicherweise hat das Scheitern von riskanten Finanzmanövern Werte wie Solidarität und Gemeinsinn wiederbelebt.“ Das Hilfswerk Fastenopfer präsentierte bei der Veröffentlichung seines Jahresberichtes auch die Ergebnisse einer Evaluation von Spar- und Kreditprojekten in seinen Partnerländern. Die Mitglieder von Spargruppen legen Geld oder Naturalien in gemeinsamen Fonds an und können daraus bei Bedarf Kredite beziehen. Die Evaluation habe gezeigt, dass solche Programme die ärmsten und am stärksten benachteiligten Bevölkerungsgruppen erreichen, schreibt das Hilfswerk.

(IS)

Die Schweizer Regierung tritt bei der geplanten Erhöhung der Entwicklungshilfe auf die Bremse. Der Bundesrat hatte vom Parlament Ende 2008 den Auftrag erhalten, dieses Jahr einen Zusatzkredit vorzulegen und zu erläutern, wie die zusätzlichen Mittel finanziert werden und wo sie investiert werden sollen. Nun hat die Regierung beschlossen, auf die Aufstockung vorerst zu verzichten und dem Parlament zunächst einen Bericht vorzulegen. Begründet hat sie dies laut dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit „unsicheren Wirtschaftsprognosen“. Der Bericht, der spätestens Ende September vorliegen soll, werde die finanziellen und entwicklungspolitischen Konsequenzen einer Erhöhung der Entwicklungshilfe auf 0,5 Prozent des Bruttonationaleinkommens darstellen. Auf dieser Basis werde der Bundesrat entscheiden, ob er den Zusatzkredit vorlegt.

Die entwicklungspolitische Arbeitsgemeinschaft der großen Hilfswerke, Alliance Sud, wirft der Regierung vor, sie torpediere die Erhöhung der Hilfe und widersetze sich einem Auftrag des Parlaments. Um das 0,5-Prozent-Ziel bis 2015 zu erreichen, wären laut den Hilfswerken in den Jahren 2010 bis 2012 maximal zusätzliche 380 Millionen Franken nötig. Verglichen mit den 6 Milliarden Franken zur Rettung der Großbank UBS sei dies ein Klacks. Zu befürchten ist, dass der Bundesrat auf eine kostenlose Erfüllung des parlamentarischen Auftrags setzt: Sinkt das Bruttonationaleinkommen im Zuge der Wirtschaftskrise, dann steigt der prozentuale Anteil der Entwicklungshilfe, ohne dass sie real erhöht wird.

(IS)

welt-sichten 07-2009