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Obama und die Wahlen in Indien

Outlook India (Neu-Delhi, 4.6.2009): Manche politischen Beobachter sehen in dem deutlichen Stimmenzuwachs der regierenden Kongresspartei in Indien einen Kontrast zu Barack Obamas vom Streben nach Veränderung geprägter Wahlkampagne. Die Politologin Mona G. Mehta hingegen erkennt in dem Ergebnis des indischen Urnengangs ein durchaus vergleichbares Potential für einen politischen Wandel. Zwar hätten die auf den beiden „weltweit bedeutendsten Theatern der Demokratie aufgeführten politischen Dramen“ sehr unterschiedliche Texte und Rollen. In beiden Länder sei aber der Einfluss jüngerer  Menschen ausschlaggebend gewesen; in den USA bei der politischen Mobilisierung, in Indien aufgrund ihres hohen Anteils an den Wählern. Die Wahlen markierten eine Abkehr der Jugend von „Jahrzehnten der Entfremdung vom politischen System“.

Nur wenige Wochen vor den Anschlägen in Mumbai hätten die jungen Inder Amerikas Fähigkeit erlebt, Obama zu wählen und damit Rassenunterschiede aufzuheben, die die USA seit ihrer Gründung beherrschten, schreibt Mehta. Die Lehre, die Indiens Jugend offenbar aus diesem Ereignis gezogen hat, ist die, dass Angriffe auf Minderheiten statt ihrer Integration in die Mehrheitsgesellschaft allen Indern weniger Sicherheit bringen würde.

Die Kongresspartei habe den breit geführten Diskurs erfolgreich überarbeitet, sodass die Werte des Pluralismus, Säkularismus und eines auf Gleichheit gerichteten Wachstums wieder als erstrebenswert betrachtet werden und nicht als Abkehr vom Hinduismus. Der Erfolg der mit Wirtschaftswachstum einhergehenden Sozialprogramme fand Widerhall und zwar über die Stadt-Land-Unterschiede hinweg. Wie die verjüngten US-Demokraten hat die Kongresspartei darauf vertraut, die Unabdingbarkeit eines „inklusiven Wachstums“ herauszustellen. Die jungen Inder und Amerikaner, so Mehta, schienen heute weniger apathisch und zynisch zu sein. Im Unterschied zu der Jugend der 1968er Gegenbewegung, die aus ihrer oppositionellen Haltung heraus dem politischen System fernblieb, bringe sich die heutige Generation auf unterschiedlichen Ebenen in den politischen Prozess ein.


Karl Otterbein

welt-sichten 07-2009