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Der Makel der dunklen Haut

Marianne Bechhaus-Gerst, Mechthild Leutner (Hg.)
Frauen in den deutschen Kolonien
Ch. Links Verlag, Berlin 2009,
284 Seiten, 24,90 Euro


Männer bestimmten in der Kolonialzeit die Geschicke. Mit Brecht ist zu fragen: Sie allein? In der verdienstvollen Reihe „Schlaglichter der Kolonialgeschichte“ des Links-Verlages ist ein neuer Sammelband erschienen, in dem sich mehr als 20 Autorinnen und Autoren mit einem oft vergessenen Kapitel beschäftigen, den „Frauen in den deutschen Kolonien“. Der Band beginnt mit einer exzellenten Zusammenschau von Martha Mamozai, die sich seit Anfang der 1980er Jahre mit der Rolle der Frauen in den deutschen Kolonien auseinandersetzt.

Mamozai stellt ihnen ein schlechtes Zeugnis aus: Sie hätten sich als „Maß aller Frauen“ begriffen und mit ihrer engen und kleinkarierten Auffassung von gut und böse die schwarzen Frauen gedemütigt. Blind vor kulturellem Hochmut seien sie nicht in der Lage gewesen, ihre „eigene unwürdige Lage“ zu überdenken. Indem sie sich mit den Zielen und Werten ihrer Männer, der rassistischen Herrschaftssicherung, identifizierten, hätten sie sich der Chance beraubt, den Aufenthalt unter fremden Völkern als Lernprozess zu nutzen. „Stattdessen brachten sie Unheil und Unrecht, machten sich mitschuldig.“

In vier Kapiteln werden dann einzelne Phänomene und Frauenbiografien vorgestellt. Dag Henrichsen zeigt anhand von Mischehen eindringlich, wie in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika durch die Ideologie der weißen Herrenrasse schwarze Frauen und ihre Kinder ausgegrenzt werden. Ursula Trüper liefert ergänzend die Biografie von Maria Hegner, die als „Mischling“ (der Urgroßvater hatte eine schwarze Frau geheiratet) während der NS-Zeit in Hadamar zu Tode kam.

Im Kapitel „Koloniale Frauenmission“ wird die Zwiespältigkeit der christlichen Mission deutlich. Rea Brändle macht in der Zusammenfassung ihres Buches über den togolesischen Schausteller Nayo Bruce, seine Kinder und Enkel deutlich, wie auch in der Bremer Mission deutsche Frauen dritte Wahl waren, wenn sie neben einer vorzüglichen Ausbildung eine schwarze Haut hatten. Durch viele Beiträge zieht sich die Frage nach den schwarzen Frauen in den deutschen Kolonien. Hier gibt es anders als im Fall der Reise- oder Kolonialromane von deutschen Frauen leider so gut wie keine schriftlichen Zeugnisse. Ein weiteres Problem beschreibt Andreas Eckl in seinem Beitrag „Grundzüge einer feministischen Missionsgeschichtsschreibung“: Die Bedeutung von Frauen für die Mission allgemein und insbesondere in Afrika sei bislang wenig erforscht. Aufgrund seiner Untersuchungen gibt er Anregungen, wie und wo recherchiert werden soll.

Insgesamt ist es ein gut lesbares Buch – auch für Menschen, die die abgehobene Sprache vieler Wissenschaftler nicht mögen. Empfehlen kann ich es allen, die sich mit der personellen Entwicklungshilfe oder Mission beschäftigen, denn viele der hier diskutierten rassistischen Mechanismen sind bis heute nicht ausgerottet. Übrigens hätte es dem Buch gut angestanden, diese Kontinuität in einem Beitrag zu erörtern. Aber es sei auch allen empfohlen, die sich mit den Vorurteilen gegenüber Menschen mit dunkler Hautfarbe beschäftigen. Die Grundlagen dieser Spielart des Rassismus werden hier anschaulich sichtbar.


Gerd Riepe

welt-sichten 07-2010