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Fenster auf Afrika

Al Imfeld
Elefanten in der Sahara
Agrargeschichten aus Afrika

Rotpunktverlag, Zürich 2009,
260 Seiten, 21 Euro


Dem Theologen, Publizisten und Agrarwissenschaftler Al Imfeld ist, zumindest im Ansatz, gelungen, was agrarhistorisch orientierte Wissenschaftsinstitute über Jahrzehnte hinweg nicht geschafft haben. Sein jüngstes Buch bietet zahlreiche Einsichten für eine grundlegend neue agrarhistorische Einschätzung des afrikanischen Kontinents. Bei diesem anspruchsvollen Unterfangen kommen dem Autor seine stets wissenschaftskritische Grundhaltung und seine über viele Jahrzehnte gesammelten Erfahrungen zugute.

Imfeld hat einen reichen Schatz an Erkenntnissen aus zahlreichen Afrika-Aufenthalten in seinem Privatarchiv zusammengetragen und inzwischen als Online-Bibliothek einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Damit betreibt er eine überfällige „Entkolonialisierung“ des bisherigen Geschichtsbildes von Afrika.

Ein abgebildeter Makonde-Holzschnitt aus Mosambik illustriert das in der Öffentlichkeit immer noch vorherrschende Selbstverständnis der Geschichtsschreibung über Afrika: Da schreibt ein Weißer auf dem Rücken einer schwarzen Frau seine Geschichte auf. Anhand zahlreicher Beispiele, unter anderem aus dem Pflanzen- und Tierreich, belegt Al Imfeld die oft ideologisch fixierte Sichtweise kolonialer Herrschaft. Er besteht auf einer immer noch neu zu entdeckenden und eigenständigen afrikanischen Agrargeschichte, die die zahlreichen Völker in ihren jeweiligen heimatgeschichtlichen Bindungen hervorgebracht haben. Das ist Imfelds Grundthese: erst wenn die ideologisch gefärbte Kolonialisierungsbrille des Weißen (heute meist in Gestalt erhabener Wissenschaft) abgesetzt wird, eröffnet sich der Blick für die enormen eigenständigen Kulturleistungen Afrikas.

Imfeld öffnet in seinem neuen Buch „Fenster auf Afrika“. Er vermeidet den in der Wissenschaft weit verbreiteten Fehler, von einer theoretisch festgelegten Sichtweise auszugehen, die die empirischen Befunde nur noch als Beweisstücke benötigt. Imfeld löst die fiktiv denkbare „Agrargeschichte“ Afrikas in viele einzelne Schilderungen auf. So gewinnt er großen Raum für die Anerkennung von agrarkulturellen Leistungen, etwa bei Tierhaltung und Pflanzenzüchtung, die bisher von der Geschichtsschreibung weithin vernachlässigt wurden. Angesichts der oft großen Anmaßungen wissenschaftlich formulierter Befunde ist das Buch von Al Imfeld eine Freude – selbst dort, wo es in bloßen Andeutungen oder auch Behauptungen stecken bleibt. Er lege, schreibt er, seine Notizen und Einsichten nicht als Dogma vor, sondern als Anregung zum Weiterdenken und als Beitrag zur Entkolonialisierung der Geschichtsschreibung.


Sigmar Groeneveld

welt-sichten 07-2010